Aiwanger ist geimpft

Für Häme ist die Lage zu ernst

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Die Bibel legt nahe, sich über den reuigen Umkehrer mehr zu freuen als über die 99, die schon längst auf dem richtigen Weg waren. Im Fall von Hubert Aiwanger sollte man das vielleicht etwas differenzierter sehen. Nach langem, angesichts seiner Vorbildfunktion sträflich langem Zaudern ließ er sich doch noch impfen. Im ganzen Jahr 2021 hat sich Aiwanger zum Vorbild der Ungeimpften stilisieren lassen, teils wollte er das, teils duldete er es. Am Ende zahlte es sich für ihn politisch nicht aus, im Gegenteil, sein Bundestagswahl-Ergebnis war mies, die eigene Partei drohte sich gegen ihn zu wenden. Also kein Anlass für Jubelchöre über Aiwanger. Trotzdem darf man ihm jetzt auch ehrlich Respekt zollen, einen Fehler im richtigen Moment öffentlich zu korrigieren.

Ja, es ist der richtige Moment. Noch immer gibt es viele in der heterogenen Gruppe der Ungeimpften, an die Aiwangers Schritt ein Signal ist: jene, die sich unsicher waren bisher. Unsicher im Einschätzen des Impfstoffs, in ihrer persönlichen Risikoabwägung, unsicher, ob der Schutz anderer auch ein starker Impfgrund ist, ob man nicht auch so unbeschränkt durchkommt. In dem Augenblick, in dem unsere Kliniken wirklich mit Triage beginnen, werden solche Rechnungen neu angestellt. Für alle, die sich jetzt erstimpfen lassen, ob sie Aiwanger heißen oder anders, gilt: Sie verdienen Rückendeckung, nicht Häme.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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