WIE ICH ES SEHE

Groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist

von Redaktion

Ist Alexander Lukaschenko wirklich ein so genialer Taktiker mit seinem Erpressungsversuch an der polnisch-weißrussischen Grenze? Sein großer Patron in Moskau steht voll hinter ihm und schickt auch schon einmal atomwaffenfähige Kriegsflugzeuge über die Wälder Weißrusslands vor dem geschlossenen Grenzübergang. Das eigentliche Ziel aber, die Schwäche der EU vorzuführen und Europa möglichst zu spalten, hat er bisher nicht erreicht. Ganz im Gegenteil gibt es einen weiten Konsens, mit stärkeren Sanktionen gegen die in Weißrussland Verantwortlichen vorzugehen.

Dafür aber entfaltet sich eine menschliche Tragödie mit etwa 2000 Flüchtlingen, die vor dem gesperrten Grenzübergang fast schutzlos gestrandet sind. Es wird vermutet, dass etwa 20 000 Flüchtlinge sich anderswo in Weißrussland aufhalten. Flüge der weißrussischen staatlichen Fluglinie aus Istanbul aber hat die Türkei bereits gestoppt. Die Flüchtlinge sind in Gefahr in dem sich nahenden Winter und der weißrussische Machthaber plant wohl schon, dass Fernsehsendungen das Leid der frierenden Menschen in unsere Wohnstuben bringen. Das wäre eine Situation, die der Westen kaum ertragen wird.

Deswegen müssen wir uns den Menschen zuwenden, die dort in den weißrussischen Wäldern gestrandet sind. Es sind vor allem Kurden und Jesiden, die auch in der Türkei einen schweren Stand haben. Daher waren sie naiv genug, Lukaschenko zu glauben, dass er ihnen einen leichten Weg in den Westen öffnen würde. Was aber bliebe von diesem Erpressungsversuch, wenn Europa die Grenzen für diese Menschen öffnen würde? Die EU hat etwa 470 Millionen Einwohner, es sind viele Länder, auf die Flüchtlinge verteilt werden können. Und überall fehlt es an einsatzbereiten jüngeren Arbeitskräften.

Warum sehen wir in der ganzen Flüchtlingsthematik immer nur Gefahren und Bedrohungen und die unerwünschte Einwanderung in unsere Sozialsysteme? Dabei hat es große Chancen, verfolgte Flüchtlinge aufzunehmen und in die Arbeitswelt zu integrieren. Wir schaffen das, hat Frau Merkel dazu bereits gesagt, und wir haben doch in der Tat bei dem Ansturm der syrischen Flüchtlinge sehr viel geschafft und erreicht.

Weißrussland mit Russland im Hintergrund mag militärisch ein Riese sein, wirtschaftlich ist das Land ein Zwerg, das sich in Wahrheit gar nichts leisten kann. Es wird auf Dauer nicht stemmen können, Flüchtlinge aus dem Vorderen Orient umständlich bis an die polnische Grenze zu transportieren. Wenn Lukaschenko sieht, dass das große Europa damit nicht erpresst werden kann, dann wird er diesen mafiösen Menschenhandel aufgeben müssen. Die Aufnahme von Menschen in Not, Verfolgung und Verzweiflung ist ein Gebot der Humanität. Die Gewaltherrscher dieser Welt haben in ihren Ländern Systeme von Lügen, Unterdrückung und Ausbeutung aufgebaut, die aber als Lügensysteme in sich konsequent sind. Wir haben nur eine Chance gegen sie, wenn wir in unseren auf der Idee von Wahrhaftigkeit gegründeten Ländern ebenfalls konsequent bleiben in der Bewahrung der Gebote von Menschlichkeit und Freiheit.

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VON DIRK IPPEN

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