Istanbul/Brüssel/Warschau – Nach Sanktionsdrohungen der EU lässt die Türkei Staatsbürger mehrerer arabischer Länder nicht mehr von ihrem Staatsgebiet aus nach Belarus fliegen. Menschen mit syrischen, irakischen und jemenitischen Pässen dürften bis auf Weiteres keine Tickets mehr kaufen und nicht mehr an Bord gehen, teilte die zivile Luftfahrtbehörde der Türkei am Freitag mit. Die EU hatte zuvor Strafmaßnahmen gegen Fluggesellschaften angedroht, die Migranten mit der Absicht der illegalen Einreise in die EU nach Belarus befördern.
Nach Angaben eines EU-Beamten sollen auch keine One-Way-Tickets mehr für Flüge aus der Türkei nach Minsk verkauft werden. Belavia werde zudem auch nicht mehr das Middle-East-Netzwerk von Turkish Airlines nutzen können, um Reisende über Istanbul nach Minsk zu fliegen, hieß es in Brüssel. Die EU hofft mit den Maßnahmen, dass nicht mehr so viele Menschen aus armen oder konfliktreichen Ländern nach Belarus kommen.
Russland hat unterdessen nach Drohungen des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko, den Gastransit in die EU einzustellen, sichere Energielieferungen garantiert. „Russland war, ist und wird immer ein Land sein, das seine Verpflichtungen zur Gasversorgung der europäischen Verbraucher erfüllt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die „zuverlässigen Lieferungen“ erfolgten unabhängig von den Handlungen Minsks.
Die Lage an der Grenze zwischen Belarus und Polen war auch am Freitag stark angespannt. Polnische Sicherheitskräfte schritten Polizeiangaben zufolge in der Nacht mehrfach ein, um illegale Grenzübertritte zu verhindern. In der Nähe des Ortes Kuznica hätten belarussische Soldaten versucht, eine rund 35 Menschen zählende Migrantengruppe gewaltsam über die Grenze zu drängen. Unter den Migranten waren demnach überwiegend Frauen und Kinder. Viele Angaben aus dem Grenzgebiet lassen sich allerdings nicht überprüfen, weil unabhängigen Journalisten der Zutritt verwehrt wird.