Überlastete Krankenhäuser

Corona macht ein altes Problem sichtbar

von Redaktion

KATRIN WOITSCH

Die Hilferufe aus den Kliniken werden von Tag zu Tag verzweifelter und sollten alle wachrütteln – besonders Ungeimpfte. Es ist die Situation eingetreten, vor der seit Pandemie-Beginn gewarnt wurde: Unser Gesundheitssystem ist an seine Grenze gekommen. Das ist nicht nur für Covid-Patienten eine Katastrophe – sondern auch für alle, die schwer krank sind oder einen Unfall haben.

Corona hat sichtbar gemacht, was schon vorher ein großes Problem war. Die Kapazitäten in den Kliniken wurden seit Jahren „optimiert“, Ärzte und Pflegekräfte sind seit Langem überlastet. Schon vor der Pandemie waren Intensivstationen voll, weil es nicht genug Pflegekräfte gab. Die Personalschlüssel waren immer knapp kalkuliert, die Bezahlung nie angemessen. Es ist nicht überraschend, dass sich weniger Menschen für einen Pflegeberuf entscheiden. Die Politik hat es jahrelang versäumt, diese Arbeitsbedingungen zu verbessern. Schon vor Corona hätten einige Krankenhäuser Probleme bekommen, wenn viele Intensivpatienten gleichzeitig eingeliefert worden wären.

Wer nun einem Tumorpatienten sagen muss, dass er auf nicht absehbare Zeit keine Chance auf eine OP hat, erlebt die Pandemie von ihrer schrecklichsten Seite. Der Frust bei Ärzten und Intensivpflegekräften ist gefährlich groß. Die Zeiten, in denen Applaus oder Bonuszahlungen ihn lindern könnten, sind längst vorbei. In die Krankenhäuser und diese Berufe muss dauerhaft investiert werden. Das ist die Politik den Klinikmitarbeitern spätestens nach ihrer Leistung während der Pandemie schuldig.

Katrin.Woitsch@ovb.net

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