Verpackungsmüll

Grün reden, dreckig handeln

von Redaktion

MARCUS MÄCKLER

Nichts gegen Europameister-Titel, aber auf diesen hätte man doch verzichten können. Die Deutschen produzieren so viel Verpackungsmüll wie kein anderes Land auf dem Kontinent: 2019 waren es knapp 230 Kilo pro Kopf und Jahr – 50 Kilo mehr als der europäische Durchschnitt. Die Corona-Pandemie, sagt der Branchen-Verband BDE, hat die Situation nur noch weiter verschlimmert.

Zumindest an der letztgenannten Entwicklung trägt niemand die Schuld – ein Freispruch ist das aber nicht. Das Land, das gerne grüner redet als andere, entpuppt sich einmal mehr als Umweltsünder. Das muss man einerseits den Kunden anlasten, denen offenbar noch immer ein messbares Bewusstsein dafür fehlt, dass Müllvermeidung kein weiches Kann, sondern ein hartes Muss ist. Ein Großteil der Verantwortung liegt aber auch bei Handel und Herstellern. Wer Bio-Fleisch in der dicken Plastik-Wanne anbietet, ist halt nur ein Möchtegern-Öko. Leider sind die Kosten bisher wichtiger als das grüne Gewissen: Plastik gehört noch immer zu den billigsten Pack-Materialien.

Der Ruf nach mehr Regeln ist oft billig – hier ist er angebracht. Kunden haben am Supermarktregal oft keine Wahl. Deshalb müssen vor allem Unternehmen verpflichtet werden, Verpackungsmaterial zu reduzieren und – wo möglich – auf ökologische Alternativen umzustellen. Von selbst wird sich nichts tun.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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