München – Worte können einen Unterschied machen, der US-Außenminister ist sich dessen sehr bewusst. Als Antony Blinken am Freitag in der nigerianischen Hauptstadt Abuja spricht, stellt er gleich klar, wie er sich die Beziehungen zu Afrika vorstellt. Man werde den Kontinent künftig nicht mehr als „Thema“ behandeln, sondern als „geopolitischen Akteur“, sagt er. Welch ein Unterschied zu Donald Trump, der einst verächtlich über Afrikas „Drecksloch-Länder“ herzog.
Dass unter US-Präsident Joe Biden ein neuer Ton herrscht, ist bekannt. Offenbar soll sich nun auch die Afrika-Politik ändern. Blinken, der neben Nigeria auch Kenia und den Senegal besucht, wirbt jedenfalls in Abuja um intensivere Beziehungen und kündigt ein Treffen zwischen Biden und afrikanischen Staatschefs an. Der Gipfel soll im kommenden Jahr stattfinden – und darf auch als Botschaft an China verstanden werden. Das plant Ende November ein Treffen im Senegal.
Die USA wollen in Afrika nicht abgehängt werden. Die Erkenntnis kommt spät. Denn Peking hat sich dort längst breitgemacht, sein Einfluss ist gewaltig. Es bietet den Regierungen vermeintlich lukrative Deals, ohne lästige Fragen zu stellen –etwa mit Blick auf die Regierungsführung. Das Kalkül ging lange auf: Peking baute Infrastruktur (Züge, Häfen, Straßen) und verlangte dafür Zugriff auf die Rohstoffe des Kontinents. Doch zuletzt kühlte das Verhältnis ab.
Blinken erwähnt China in seiner Rede nicht direkt, muss er aber auch nicht. Er spricht stattdessen von Infrastrukturabkommen mit anderen Partnern, die „undurchsichtig und zwanghaft“ sein und die Länder mit „unüberschaubaren Schulden belasten“ könnten. Wen er damit meint, ist völlig klar. Die USA, verspricht Blinken, „werden die Dinge anders angehen“.
Tatsächlich geht auch vielen Regierungen Afrikas inzwischen auf, dass Geschäfte mit China zwar bequem sind, aber auch dunkle Seiten haben. Peking mischt sich vermehrt in innere Angelegenheiten der Staaten ein, Verträge über Infrastrukturprojekte – besonders im Rahmen des Mega-Projekts „Neue Seidenstraße“ – entpuppen sich als Schuldenfallen. Ein Knick im Verhältnis ereignete sich 2020, als Lokalbehörden im chinesischen Guangzhou afrikanische Gast-Studenten für einen neuen Corona-Ausbruch verantwortlich machten. Dutzende von ihnen wurden aus ihren Wohnungen vertrieben, was in Afrika Aufsehen erregte. Als Reaktion bestellten mehrere Regierungen die chinesischen Botschafter ein – ein Novum.
Die Voraussetzungen für die USA könnten schlechter sein. Blinken skizziert deshalb eine Alternative. Die Zusammenarbeit mit den USA werde „nachhaltig, transparent und werteorientiert sein“, sagt er und verweist auch auf den Kampf gegen Corona und den Klimawandel. Dabei werde man afrikanische Länder nicht „zwingen“, sich zwischen den USA und anderen Partnern zu entscheiden.
Der Umgang mit dem wachsenden Einfluss Chinas ist nicht nur ein US-Problem. Zahlreiche traditionelle westliche Geberstaaten wie etwa Deutschland stehen vor dem Problem, dass afrikanische Regierungen ihnen mit Argwohn begegnen – denn häufig sind (Entwicklungs-)Projekte an soziale, wirtschaftliche und institutionelle Reformen geknüpft. Auch der „Compact with Africa“, mit dem die G20-Staaten private Investments in Afrika anstoßen wollten, geht deshalb nur schleppend voran.
Noch ist China der unkomplizierteste Partner für viele afrikanische Staaten. Nigerias Außenminister Geoffrey Onyeama verteidigte bei einem Auftritt mit Blinken die Zusammenarbeit. Dass ihm das neue Interesse der USA nicht unangenehm ist, ließ er aber auch durchblicken. „Manchmal ist es gut für dich, wenn du die attraktive Braut bist und jeder dir wunderbare Dinge anbietet.“ mmä/afp