„Wir müssen es halt noch mal aushalten“

von Redaktion

Reaktionen aus Kunst, Kultur und Gastronomie auf die neuen Corona-Maßnahmen in Bayern

Christian Stückl, Intendant Münchner Volkstheater und Leiter der Oberammergauer Passionsspiele: „Wir haben 96 Prozent Platzauslastung –das hatten wir noch nie.“ Corona und die aktuellen Regelungen würden nun einen Strich durch alle Rechnungen machen. Stückl vermutet, dass auch in München die Inzidenz kommende Woche über 1000 liegen wird, also die Theater ohnehin schließen müssen. Bis dahin werde aber gespielt, im Theater wird ein Test für die Gäste angeboten. Auch die Belegschaft sei bei all den Nachrichten trotz täglicher Testung unruhig und zerrissen, „obwohl wir inständig gehofft haben, ganz normal weiterspielen zu können“. Stückl akzeptiert den Lockdown, um „die Krankheit zurückzudrängen“ und Pflegekräften und Ärzten zu helfen. „Wir müssen es halt noch mal aushalten. Ich wundere mich aber schon, warum die Politik so lange braucht, bis sie etwas unternimmt.“

Rita Rottenwallner, Tollwood-Festival: „Heute ist ein bitterer Tag. Voller Hoffnung haben wir im Spätsommer die Planungen begonnen, sehr gute Hygienekonzepte erstellt und alles getan, um unserem Publikum optimale Sicherheit zu bieten. Mit dem Verbot von Weihnachtsmärkten müssen wir unsere Hoffnungen einmal mehr begraben. Gleichwohl: Das Wohl und die Gesundheit der Menschen gehen vor.“

Ingrid Trobitz, stellvertretende Intendantin des Bayerischen Staatsschauspiels: „Nun ist also alles wieder von der Inzidenz abhängig. Da waren wir in diesen Krisenzeiten doch schon mal weiter. Wir haben für nächste Woche zwei Premieren geplant. Eine verlässliche Planung für alle Beteiligten wie auch für das Publikum ist mit diesen Vorgaben aber nicht zu leisten. Sollte die Inzidenz Anfang der Woche in München auf über 1000 steigen, müssen wir alle Vorstellungen absagen. Und was ist, wenn die Zahl mal kurzfristig über oder unter 1000 ist? Sagen wir dann eine Vorstellung kurzfristig von Tag zu Tag ab? Es gibt noch viele offene Fragen.“

Holger Trapp von den City Kinos München: Trapp will die schlechte Botschaft erst einmal sacken lassen, denn die Frage, ob es sich lohnt, ein Kino bei nur 25-prozentiger Belegung geöffnet zu halten, stellt sich nun allen Kinobetreibern. „Solange ich das nicht schriftlich habe, müssen wir abwarten.“

Angela Inselkammer, Präsidentin des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands: „Die Entscheidungen sind für uns unvorstellbar. Wir wissen aus dem letzten Jahr, dass Teilschließungen und einseitige Lockdowns in unserer Branche nicht wirkungsvoll sind. Entweder ein harter Lockdown für alle oder Konzeptlösungen. Wir können absolut nicht nachvollziehen, warum das Gastgewerbe nun wieder die Sonderopferrolle zugewiesen bekommt.“

Christoph Simon, Chef der Diskothek Spinnradl in Spitzingsee: „Wir müssen es hinnehmen, aber richtig finde ich es nicht. Es hat doch gut funktioniert, sogar mit 2Gplus. Ich verstehe nicht, warum wir so nicht weitermachen können. Der Lockdown wird nach dem 15. Dezember eh wieder verlängert. Aber wir lassen uns nicht demotivieren. Wenn es wieder Corona-Hilfen geben wird, kommen wir über die Runden.“

Max Riemensperger, Wirt im Nachtcafé-Club in Freising: „Es ist eine Katastrophe für uns, aber ich hab’ das kommen sehen. Wir haben strengstens kontrolliert, mir ist kein Corona-Fall aus meiner Disco bekannt. Jetzt bleibe ich auf 10 000 Tests und meiner Ware sitzen. Ich hoffe, dass ich mein Personal halten kann. Trotzdem habe ich hohen Respekt vor der Entscheidung von Markus Söder. Wir müssen jetzt zusammenstehen.“  sida/kjk/dg/ws/bst

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