GEORG ANASTASIADIS
Bayern sperrt wieder zu. Gastro, Sport, Kultur – alles wieder dicht, spätestens in ein paar Tagen, wenn auch die Region rund um München zum Hotspot mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 1000 geworden ist. Der Freistaat zieht angesichts überfüllter Kliniken die Notbremse. Zusperren geht immer. Das, aber leider auch nur das, hat die Politik aus zwei Jahren Erfahrung mit dem Virus gelernt.
Absurd: In München waren die Impfzentren am Donnerstag und Freitag zu. Dienst nach Vorschrift. Vieles, was vorbeugend hätte geschehen können, wurde wieder unterlassen: das rechtzeitige Boostern der Alten, das Ertüchtigen der Kliniken (dort wurden tausendfach Intensivbetten stillgelegt), der Einsatz der Bundeswehr-Sanitäter für ein hohes Patientenaufkommen im Herbst. Der Wahlkampf war wichtiger. Viele Geimpfte fühlen sich zu Recht betrogen: Sie haben sich die Spritze geben lassen im Vertrauen darauf, dass die Politik im Gegenzug ihren Job macht und ihr Versprechen hält, das öffentliche Leben nicht ein drittes Mal zum Erliegen zu bringen. Ministerpräsident Markus Söder hat das dutzendfach beteuert.
Versprochen, gebrochen. Stattdessen gilt nun, da vorwiegend ungeimpfte Corona-Patienten die Intensivstationen lahmlegen, wieder: Not kennt kein Gebot. So kann es nicht weitergehen, sonst wird diese Pandemie, da hat Bayerns Gesundheitsminister Recht, nie enden. Der Ankündigung des Lockdowns auch für Geimpfte muss unverzüglich das Bekenntnis der Staatsregierung folgen, nun mit ganzer Kraft für die Einführung der Impfpflicht für alle zu kämpfen. Auch die in Berlin bald mitregierende FDP sollte Egoismus nicht mit Freiheit verwechseln. Wir dürfen nicht länger hinnehmen, dass eine kleine Gruppe Impfverweigerer die ganze Bevölkerung in Geiselhaft nimmt und das Lebensglück und die Existenz Hunderttausender zerstört.
Georg.Anastasiadis@ovb.net