Tausende Ortskräfte in Afghanistan

Deutschland hat seine Helfer im Stich gelassen

von Redaktion

KATHRIN BRAUN

Die Bilder bleiben im Kopf. Als sich Menschen in Afghanistan aus Angst vor den Taliban verzweifelt an Militärmaschinen klammerten. Damals versprach die Bundesregierung, alle Ortskräfte rauszuholen. Mehr als 100 Tage sind seitdem vergangen. Und noch immer warten rund 3800 Ortskräfte und ihre Familien auf Rettung. Wie viele bereits getötet wurden, weiß niemand.

Der politische Kalender Deutschlands war wichtiger: Bundestagswahl, Abschiedstournee der Kanzlerin, Koalitionsgespräche. Erst vor drei Wochen hat das Auswärtige Amt den ersten Charterflug seit August organisiert. In der Zwischenzeit haben private Initiativen wie die „Kabul Luftbrücke“ hunderte Ortskräfte per Bus in Nachbarländer gebracht. Finanziert haben das deutsche Spender.

Schlimm genug, dass sich zivile Helfer in Gefahr begeben, um das Versprechen Deutschlands zu halten. Schlimmer noch, dass sie dabei an bürokratische Hürden stoßen. Einige Ortskräfte müssen klagen, um als solche anerkannt zu werden. Andere schaffen die Flucht, warten dann aber in Anrainerstaaten vergeblich auf Aufnahmezusagen aus Deutschland. Nicht nur in Afghanistan, auch in Einsatzländern wie Mali, im Irak oder im Kosovo wissen Ortskräfte jetzt: Wenn es brenzlig wird, können sie nicht auf Deutschland vertrauen.

Kathrin.Braun@ovb.net

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