Der Fußball macht es seinen Kritikern ziemlich leicht. Wenn in Köln 50 000 eng an eng stehen und sitzen, oft ohne Maske, oder in Leipzig ein Manager einen Wettbewerbsnachteil beklagt, weil in der Region mit der höchsten Inzidenz schon am Sonntag niemand mehr zuschauen durfte, darf sich über Unmut niemand wundern. Das Land hat manches Privileg toleriert und sich dem Zauber der Spieltage auch gerne wieder hingegeben. Aber alles hat Grenzen, sogar das Verständnis für den Fußball.
Die Politik muss deshalb keine Revolution fürchten, wenn sie Zuschauer in den Stadien nun wieder verbietet. Die Strenge ist schon deshalb nachvollziehbar, weil nicht nur das Spiel ein Risiko darstellt, sondern auch die Anfahrt in der U-Bahn oder das Nachspiel in der Kneipe. Weil Emotionen und Vernunft offensichtlich nicht zusammenpassen. Und weil kein Mensch es versteht, wenn Profis (fast) uneingeschränkt ihrem Beruf nachgehen, Jugendliche aber nicht mal trainieren dürfen.
Zu Recht können manche Clubs, etwa der FC Bayern, argumentieren, sie hätten ihr Möglichstes getan und die Vorgaben alle umgesetzt. Und tatsächlich ist das Vorgehen der Politik arg sprunghaft. Aber am Ende geht es um etwas, das viel größer ist als der Fußball. Solange die echten Dramen sich auf den Intensivstationen abspielen, ist ein Ausschluss der Zuschauer ein vertretbares Opfer.
Marc.Beyer@ovb.net