Chat-Protokolle der AfD

Der Landtag wendet sich ab

von Redaktion

MIKE SCHIER

Nein, so richtig überrascht haben die Enthüllungen des bayerischen AfD-Chats durch den BR eigentlich niemanden: Wer die Partei beobachtet, konnte hinter einer nach außen oft gemäßigten Fassade die radikalen Kräfte eigentlich nicht übersehen. Provokationen und Ausfälle gab es regelmäßig: Ein Abgeordneter, der beim Gedenken an den ermordeten Walter Lübcke sitzen blieb. Einer, der mit Gasmaske ans Rednerpult trat. Ein dritter, der Angela Merkel „hinter Gitter“ wünschte. Und so weiter. Trotzdem ist nun eine Grenze überschritten: Wenn Abgeordnete über einen „Bürgerkrieg“ faseln, kann der Verfassungsschutz gar nicht länger wegsehen.

Im Landtag jedenfalls hat sich die Partei damit endgültig ins Aus geschossen. Ins Präsidium oder ins Parlamentarische Kontrollgremium hatte man sie – richtigerweise – ohnehin nie vorgelassen. Jetzt droht sie auch noch den Vorsitz im Bildungsausschuss zu verlieren. Mit Markus Bayerbach trifft es dort zwar einen der gemäßigten Vertreter, aber auch er hat es versäumt, sich von den ständigen Provokationen seiner Parteifreunde zu distanzieren.

Die weitere Entwicklung der Partei in Bayern wird nun genau zu beobachten sein: Offensiv fischt sie aktuell im Becken der Corona- und Impfskeptiker. Viele dort sind weit weg von der AfD, andere aber empfänglich und in einem Radikalisierungsprozess. In diesen für alle aufreibenden Corona-Zeiten ist das eine gefährliche Mischung.

Mike.Schier@ovb.net

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