München – Ist ein Parlamentarischer Staatssekretär mächtig oder ohnmächtig? Florian Pronold denkt kurz nach. „Das muss man sich erkämpfen“, sagt er dann. Der 48-jährige SPD-Abgeordnete aus Bayern muss es wissen: Seit 2013 ist er in unterschiedlichen Bundesministerien „PSt“, mal hatte er viel mitzureden, mal weniger.
In diesen Tagen verlautbaren die designierten Minister der Ampel-Koalition, welche Abgeordneten sie sich an die Seite holen, um die Ministerien zu führen. Pronold kann das gelassen sehen, er scheidet aus der Politik aus. Den vielen Nachfolgern empfiehlt er, ihr Einfluss hänge an drei Faktoren: Wie gut das Verhältnis zum Minister ist, wie hoch die eigene Fachkenntnis – und wie genau die Geschäftsordnung. Ist ein Parlamentarischer Staatssekretär Teil der „Zeichnungskette“, landet jeder wichtige Vorgang auf seinem Schreibtisch: Er weiß alles, kann überall Anmerkungen anbringen, ist hausintern unübersehbar. Pronold schätzt: Das schafft nur etwa einer von zehn Staatssekretären.
Nun denn: Ein paar Bayern dürfen es demnächst versuchen. Denn die gelben und grünen Ampel-Partner haben mehrere Abgeordnete aus dem Süden für die Staatssekretärs-Posten ausgesucht. Es ist ein Stück weit auch ein Ausgleich für den Regionalproporz, denn auf dem Personaltableau gibt es bisher exakt null Minister aus dem größten Bundesland – weder bei FDP noch bei Grünen. Die SPD hat ihre Ressortchefs noch nicht benannt, da war bisher lediglich über Bärbel Kofler für den Bereich Entwicklung spekuliert worden.
Die FDP nominiert nun für die zweite Reihe den Münchner Thomas Sattelberger (72) und die Fränkin Katja Hessel (49). Der frühere Telekom-Vorstand rückt ins Ressort für Bildung und Forschung ein. Er habe hart gearbeitet in diesem Bereich, sagt Sattelberger, aber mit seinen 72 nicht mehr mit dieser Berufung gerechnet. Als Aufgaben sieht er, den Wissenstransfer zwischen Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft zu beschleunigen. Und, ja, auch ein bisschen Brücken zu bauen für den Hightech-Standort. „Ich bin München und Bayern tief verpflichtet.“ Sattelberger sagt es nicht explizit, dürfte aber schon ein Auge darauf haben, dass nicht alle Fördermillionen an Bayern vorbeifließen.
Hessel gilt als versierte Finanzpolitikerin. Staatssekretärin war sie schon für die Liberalen in Bayern 2008 bis 2013; weitgehend ohne Außenwirkung, aber, so versichern Parteifreunde, tief in der Materie. 2017 wechselte sie in den Bundestag. Aufgabe: Notfalls beim Bremsen helfen, wenn die Ampel ausgabewütig wird. Sie wolle ihre ganze Kraft für den „sparsamen Umgang mit Steuergeld“ einsetzen, sagt Hessel.
Die Grünen holen drei Bayern ins Ampel-Team. Die prominenteste ist Claudia Roth (66) als Kultur-Staatsministerin. Die Augsburgerin will sich für Vielfalt einsetzen und sagt: „Ohne Kunst und Kultur ist alles nichts.“ Ein bisschen zu Bayern zählt wohl auch Ekin Deligöz (49), die ihr Büro in Ulm, ihren Wahlkreis aber im bayerischen Neu-Ulm hat. Deligöz, die mit acht Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, wird dem Familienministerium zugeteilt; sie engagiert sich unter anderem im Kinderschutzbund.
Im Agrarministerium soll zudem die Unterfränkin Manuela Rottmann (49) unterkommen. Die promovierte Juristin war 2006 bis 2012 Umwelt-Dezernentin in Frankfurt, arbeitete später als Referentin für die Bahn. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER