Harte Regeln für Ungeimpfte

Weit jenseits der Schmerzgrenze

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Kein Fest mehr, kein Wirtshaus, kein Weihnachtseinkauf, kein Friseur: Für Ungeimpfte sind das knallharte Beschlüsse. Darf der Staat das? Ja, er darf zu drastischen Mitteln in einer dramatischen Lage greifen. Und er muss stärker denn je nach Impfstatus differenzieren, um ohne neuen Total-Lockdown die vierte Welle zu brechen und die Intensivstationen vor dem Kollaps zu bewahren. Kein Zweifel: Das geht über die Schmerzgrenze der Ungeimpften hinaus. Aber wir sind längst weit über der Schmerzgrenze: der Krebspatienten, deren Operationen verschoben werden; der Herzinfarktopfer, die im Krankenwagen auf dem Weg zwischen überfüllten Intensivstationen sterben. Und übrigens gibt es auch bei Lockdown-Folgen – sozial, kulturell, finanziell – Schmerzgrenzen.

Der Kreis der Ungeimpften ist heterogen: Migranten und Reichsbürger. Einige Landwirte und viele Esoteriker. Oft sozial schwache Milieus und Teile derer, die sich für die obersten Zehntausend halten. Menschen, die grundlegend über Impfstoffe nachgedacht haben und andere, denen das bisher alles wurscht war. Achtung: Es geht nicht darum, alle Gruppen pauschal zu beschimpfen. Aber der Druck muss steigen, sich doch impfen zu lassen, weil wir anders nicht durch diesen Winter kommen.

Der Staat macht das nun, die wohl allerletzte Stufe vor der Impfpflicht. Das ist richtig, aber riskant. Einen Teil der bisher Ungeimpften wird das in die Radikalisierung, in Parallelgesellschaften treiben. Und auch der Druck auf die Politik selbst wächst: Wer so harte Regeln erlässt, wer mit Leben und Tod argumentiert, kann sich keinen Tag länger ein Versagen beim Impfstoff-Verteilen leisten oder quälend lange Debatten, ob Apotheker endlich mit-impfen dürfen. Jetzt muss es reibungslos klappen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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