München – Bei ihrer letzten gemeinsamen Pressekonferenz haben Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und RKI-Chef Lothar Wieler zur konsequenten Umsetzung der neuen Corona-Regeln aufgerufen. Auch wenn die Maßnahmen griffen, werde die Lage auf den Intensivstationen erst um Weihnachten herum „ihren traurigen Höhepunkt erreichen“. Beide rechnen damit, dass die Neuinfektionen erst in etwa zwei, die Todesfälle in etwa vier Wochen spürbar abnehmen werden. Das hätten frühere Wellen gezeigt.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zeigte sich verhalten optimistisch. „Die neue Welle ist angeknackst, aber sie ist noch nicht endgültig gebrochen“, sagte er nach einer Sitzung des Kabinetts. Das hat am Freitag die neuen Regeln für Bayern konkretisiert.
Demnach soll ab Mittwoch, 8. Dezember, die 2G-Regel im Einzelhandel greifen. Zum Shoppen dürfen dann nur noch Geimpfte und Genesene. Ausgenommen sind Geschäfte des täglichen Bedarfs, also etwa Lebensmittel- und Getränkemärkte, Apotheken, Drogerien, Optiker, Tankstellen, Blumenläden, Buchhandlungen oder Baumärkte. Außerdem Großhandel und Weihnachtsbaumverkauf.
Söder kündigte zudem eine Corona-Testpflicht in Kitas an. Diese müsse aber „praktikabel sein“ für die Eltern und dürfe die Mitarbeiter „nicht überlasten“. Manche Kitas nehmen derzeit freiwillig an Pool-Testungen teil, andere verteilen Berechtigungsscheine für Selbsttests an Eltern.
Bei den Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte wird Bayern über die Bund-Länder-Beschlüsse hinausgehen: Im Freistaat werden bei der Regel „Ein Haushalt plus zwei Personen aus einem anderen Haushalt“ nur Kinder bis zwölf Jahren und drei Monaten nicht mitgezählt.
In der Außen-Gastronomie gilt – wie jetzt schon in geschlossenen Räumen – ab diesem Samstag die 2G-Regel. So weit wie Baden Württemberg will Söder aber nicht gehen. Dort gilt künftig in Restaurants sogar 2Gplus; das heißt: auch Geimpfte und Genesene müssen sich testen. Zugleich sind mehrere Bundesländer inzwischen dazu übergegangen, Menschen mit Drittimpfung von der 2Gplus-Pflicht auszunehmen. Bisher sind das neben Baden-Württemberg auch Niedersachsen und Rheinland-Pfalz.
Großveranstaltungen im Sport, etwa Spiele der Fußball-Bundesliga, werden in Bayern schon ab Samstag ohne Publikum ausgetragen.
Söder betonte zudem, dass die Impfquote in Bayern wieder steige, aber nur langsam. Ein Großteil der 900 000 Impfungen der letzten sieben Tage seien Auffrischungen gewesen. Um die Quote zu steigern, sollen künftig bundesweit auch Zahnärzte impfen dürfen. Christoph Benz, Präsident des Bundeszahnärztekammer, bremste aber die Erwartungen: Impfungen in Zahnarztpraxen seien „nicht ab sofort möglich“. Mit Blick auf eine Impfpflicht bleibt einer skeptisch: Jens Spahn deutete an, im Bundestag dagegen zu stimmen. Er habe sein Wort gegeben. „Das wird auch mein Abstimmungsverhalten bestimmen.“