PRESSESTIMMEN
„Merkel war eine Politikerin des Kompromisses, die abwartete, bis Emotionen abflauten und die Zeit für einen Konsens reifte. Dieses Aussitzen von Problemen klingt zwar fein, dauerte aber oft zu lange und brachte wenig Ergebnis. Wenn Scholz energischer auftritt, auch um den Preis mancher Konflikte, muss das daher nicht zwangsläufig schlechter sein. Denn gerade im Streit entstehen oft die besseren Lösungen. Wer immer nur zu allem nickt, bringt die Dinge nicht voran.“
„Merkel regierte als ultimative Pragmatikerin, oft in Koalition mit ihren politischen Gegnern, und brachte die CDU in eine ihrer schlechtesten Positionen seit Jahrzehnten. (…) Wenn Langlebigkeit ein Maßstab für Erfolg ist, dann kann sie sehr zufrieden sein. Ob die Geschichte ihre Leistungen wohlwollend betrachten wird, ist eine ganz andere Frage.“
„Für die ÖVP ist Kurz’ Abgang ein schwerer Schlag und zugleich eine Chance. Die Partei ist in den Umfragen eingebrochen. Aber der ehemalige Kanzler hat das Land auch polarisiert wie zuvor nur Politiker der Freiheitlichen. Mit ihm an der Spitze wäre es der ÖVP äußerst schwer gefallen, wieder Mehrheiten zu finden.“