Die Booster-Kampagne ist (viel zu) spät angelaufen, aber seit einigen Wochen melden Praxen und Impfzentren einen enormen Ansturm: 14 Millionen Bundesbürger haben die Corona-Auffrischungsimpfung inzwischen erhalten. Für sie sinkt die Gefahr, sich zu infizieren und zu erkranken, exponentiell. Doch schon wieder stolpert die Politik der Entwicklung hinterher. Bayern etwa steuert wieder einen Sonderkurs und verlangt auch von Dreifachgeimpften vor Besuchen in Fitnessstudios und Theatern zusätzlich zum Impf- beziehungsweise Genesenen-Nachweis noch einen Extra-Negativtest. Das verlängert unnötig die ohnehin beträchtlichen Schlangen vor den Teststationen, schreckt die Betroffenen von sportlicher Betätigung und Kulturbesuchen ab und stellt die schwer gebeutelten Einrichtungsbetreiber vor zusätzliche Probleme.
Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz zeigen, wie man es besser macht. Dort gelten für Geboosterte die strengen 2G-plus-Regeln nicht, sie werden also von zusätzlichen Testpflichten befreit. Dort würdigt die Politik den Solidarbeitrag, den Drittgeimpfte auch für die Gesellschaft erbringen – und beschreibt zugleich ein zentrales Wirkprinzip in der Pandemie: Anreize sind besser als Druck. Klar dürfen Regierungen, wenn nötig, vor harten Entscheidungen nicht zurückschrecken. Aber der Grat zwischen notwendigen Einschränkungen und schikanösen Auflagen ist und bleibt schmal.
Georg.Anastasiadis@ovb.net