Scholz benennt SPD-Minister

Regiert wird nicht bei Lanz

von Redaktion

MIKE SCHIER

Am Ende konnte Olaf Scholz gar nicht anders: Mitten in der Pandemie stand die Ampel-Koalition ohne überzeugende Lösung für das derzeit so zentrale Amt im Gesundheitsministerium da. Gehandelt wurden Namen, von denen während der größten Gesundheitskrise der letzten Jahrzehnte nichts zu hören gewesen war. Kein Wunder, dass Twitter nach Karl Lauterbach schrie. Der Mediziner und Gesundheitsökonom hatte sich wenigstens tief in die Materie vorgearbeitet und seine Erkenntnisse offensiv mit dem Rest des Landes geteilt. Für einen Politiker sind das schon mal wichtige Qualifikationen, seinen Alarmismus wird er als Minister aber ablegen müssen.

Nur: Ob Lauterbach seinen Job besser machen wird als beispielsweise die bundesweit bislang unbekannte Innenministerin Nancy Faeser, ist eine ganz andere Frage. Regiert wird nicht bei Lanz oder Maischberger und erst recht nicht auf Twitter (Gott sei Dank!), sondern in den Ministerien. Die riesigen Häuser drohen Politiker mitunter zu absorbieren. Der als Ministerpräsident noch umtriebige und in Migrationsfragen meinungsfreudige Horst Seehofer hat als Bundesinnenminister kaum Spuren hinterlassen. Gesundheitskollege Jens Spahn startete mit großen Ankündigungen, doch mit dem Missmanagement implodierte seine Amtszeit am Ende geradezu.

Ihm folgt also Lauterbach, den offenbar weder Scholz noch seine Fraktion ursprünglich für ministrabel hielten. Euphorie kommt da nicht auf. Noch weniger bei der übrigen SPD-Riege, die in der Mehrzahl so farblos wirkt wie Scholz selbst. Der ewige Hubertus Heil. Klara Geywitz, die mit Scholz das Rennen um den Parteivorsitz verlor. Aber abwarten: Gerade Heil hat gezeigt, dass man für eine ordentliche Bilanz nicht hell strahlen muss – während die Nicht-Berufung von Heiko Maas beweist, dass eine schlechte Leistung Konsequenzen hat. Gut so!

Mike.Schier@ovb.net

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