Man kann ja zur Symbolpolitik unterschiedlicher Meinung sein. Der Haupteinwand lautet: Sie ist oft mehr Alibi und nur von geringer nachhaltiger Wirksamkeit. Andererseits bietet dieses Mittel der politischen Auseinandersetzung die Möglichkeit, das Problembewusstsein zu schärfen, Ächtung zu provozieren. So gesehen war die Entscheidung des US-Präsidenten Joe Biden ein Volltreffer: Die Ankündigung, die Olympischen Spiele in Peking diplomatisch zu boykottieren, erregte weltweites Aufsehen: Man schaut verstärkt auf ein China, das wegen seiner Menschenrechtsverletzungen am Pranger steht.
Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass Bidens schmerzhafter Nadelstich in einem großen machtpolitischen Zusammenhang steht. Die USA liefern sich mit China einen Kampf um globale Dominanz. Seit Jahren ist ein erbitterter Handelsstreit im Gange, Biden schmiedet Anti-China-Bündnisse, vieles gleicht einem Kalten Krieg.
Der Sport könnte da durchaus Gefahr laufen, zwischen die Fronten zu geraten. Es werden auch schon erste Rufe laut, die Peking-Spiele komplett zu boykottieren. Doch dieses schwere Kaliber der Symbolpolitik hat sich meist als nutzlos erwiesen. Erinnert sei an 1980, als nach Russlands Einmarsch in Afghanistan ein großer Teil der westlichen Nationen den Moskau-Spielen fernblieb. Was dieser Boykott gebracht hat? Kurz gesagt: nichts.
Armin.Gibis@ovb.net