Die streiten ja immer nur! Ein Teil der Verunsicherung über die Corona-Maßnahmen liegt an der scheinbaren Uneinigkeit der Wissenschaft. Dabei machen die Virologen und Epidemiologen nur ihren Job, wenn sie sich in ihren Aussagen zu Details der Pandemiebekämpfung widersprechen: Sie sammeln Daten, ziehen Schlüsse daraus – und im wissenschaftlichen Diskurs versuchen Fachkollegen dann, diese Aussagen mit ihren Zahlen zu bestätigen oder zu widerlegen. So funktioniert Wissenschaft. Doch in diesen emotional aufgeheizten Pandemie-Zeiten erwarten viele Bürger, dass die Experten wie die Pfarrer von der Kanzel absolute Wahrheiten präsentieren. In den Medien ausgetragener Experten-Streit lässt sie dann an der Wissenschaft generell zweifeln.
Es ist deshalb gut, wenn Christian Drosten und Hendrik Streeck ihre unterschiedlichen Sichtweisen künftig weniger in Talkshows, sondern im neuen Experten-Rat der Bundesregierung ausbreiten. Wenn sie dann gemeinsam mit einem Konsens-Vorschlag an die Öffentlichkeit gehen, erhöht das hoffentlich die Akzeptanz der empfohlenen Maßnahmen. Karl Lauterbach beweist Souveränität, wenn er Streeck mit ins Boot holt, mit dem er sich immer wieder öffentlich gezofft hat. Je mehr kompetente Leute und je mehr Experten-Streit, desto besser!
Klaus.Rimpel@ovb.net