Die CSU und Friedrich Merz

Alle Augen auf Bayern

von Redaktion

MIKE SCHIER

Die CDU bekommt einen neuen Vorsitzenden – und alle Augen richten sich schon auf das künftige Verhältnis von Friedrich Merz und Markus Söder. Wer reklamiert für sich die Oppositionsführerschaft? Wer könnte als nächster Kanzlerkandidat Olaf Scholz herausfordern? Man darf davon ausgehen, dass auch Söder selbst diese Fragen ganz wesentlich umtreiben. Und doch wäre es ein Fehler, wenn er künftig seine Politik an ihnen orientiert.

Söder hat angekündigt, zwischen den Jahren konzeptionell nachdenken zu wollen. Das ist dringend angesagt, denn bislang hat der CSU-Chef aus dem erneut verheerenden Wahlergebnis noch gar keine Konsequenzen gezogen. Stattdessen kehrte mit der vierten Corona-Welle der alte Kapitän des „Teams Vorsicht“ auf die mediale Bühne zurück. Allerdings will das Pandemie-müde Volk darüber nicht mehr in Beifallsstürme ausbrechen. Stand jetzt muss Söder hoffen, dass die (sehr norddeutsche) Ampel in Berlin möglichst grobe Fehler macht und ihm die bayerischen Wähler zurück in die Arme treibt.

Nur: Ein sicheres Erfolgsrezept für die Landtagswahl 2023 ist das nicht. Der Ministerpräsident braucht einen Plan, wohin er den Freistaat mit seinen (Luxus-)Problemen führen will: den überteuerten Wohnungsmarkt, den damit verbundenen Fachkräftemangel auch in Sozialberufen, die Verkehrs-Infrastruktur. Und er muss klären, mit welchem Team er das angeht. Das jetzige Kabinett ist viel zu blass, auch aus der zweiten Reihe machen kaum kreative Köpfe auf sich aufmerksam. Die CSU war viel zu lange in Ehrfurcht vor ihrem Vorsitzenden erstarrt. Das muss sich ändern. Auch für Söders eigene Ambitionen: Wenn er in Bayern nicht das Ruder herumreißt, kommt eine Kanzlerkandidatur 2025 nicht infrage.

Mike.Schier@ovb.net

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