Lambrecht und die Truppe

Die ersten Schritte müssen stimmen

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Ob sie einen Oberleutnant vom Oberstleutnant unterscheiden könne, wurde Christine Lambrecht neulich gefragt. Ihre Antwort sinngemäß: Nö, und so schnell müsse sie das auch nicht lernen. Das kann man erfrischend finden – oder ernüchternd. Die neue Verteidigungsministerin verhehlt nicht, dass sie fachfremd ins Amt kommt. Wahrlich kein Startvorteil, aber eben auch kein Ausschlusskriterium. Wichtigster Faktor auf dieser Ebene ist, dass ein Minister mit Stringenz, Härte und Lernbereitschaft eine schwierige, teils bürokratieverkrustete und von Problemen geplagte Großbehörde führen kann.

Lambrecht wird als AKK-Nachfolgerin neugierig beäugt, als dezidiert SPD-Linke von der Truppe auch mit etwas Skepsis. Sie sendet mit den ersten Schritten im Amt unterschiedliche Signale. Der erste Aufschlag, die Bundeswehr brauche dringend mehr weibliche Generale, lässt nicht an der Richtung, aber an der Prioritätensetzung zweifeln. Mit ihrem ersten Auslandsbesuch in Litauen setzt Lambrecht indes ein gutes Zeichen: An der Ostflanke der Nato stellt Deutschland hunderte Soldaten in einem Kampfverband (und hat das Kommando) an einem vielleicht künftigen Brennpunkt. Lambrecht stellt einen Auslandseinsatz ins Zentrum, der der deutschen Öffentlichkeit bisher, wie so oft, so lange egal ist, bis es knallt.

Verteidigungsminister haben keine Schonfrist, nicht in dieser Weltlage, leider. Die neue Ministerin muss nicht am ersten Tag Schulterklappen lesen können. Wie sie Wichtiges von Nachrangigem unterscheidet, muss sie aber schon auf den ersten Metern fehlerfrei beweisen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Artikel 7 von 11