München – Seit Wochen beherrschen die Warnungen vor einer Omikron-Welle die Meldungen zur Corona-Pandemie. Dänemark und Italien meldeten schon vor Weihnachten einen Anteil der Virusvariante am Infektionsgeschehen von 30 Prozent, die USA 73 Prozent. Nun wird auch in Deutschland die vorhergesagte Dynamik langsam sichtbar. In seinem Wochenbericht vom 23. Dezember vermeldete das RKI noch 1880 bekannte Omikron-Fälle. Trotz Meldeverzügen an den Feiertagen stieg die Zahl bis zum Sonntag auf 7225.
In Großbritannien wurden zuletzt Rekordwerte von mehr als 100 000 Corona-Infektionen täglich gemeldet, in einigen Landesteilen mehrheitlich Omikron-Fälle. Laut Experten hat dies auch mit mehr Kontakten über das Drehkreuz London nach Südafrika zu tun. Dort trat Omikron zuerst auf.Trotzdem will die britische Regierung vorerst keine strengeren Corona-Regeln im größten Landesteil England einführen.
Die Zahlen sind schwer übertragbar. Britische Modellierer vermuten aber, dass in Deutschland aufgrund strengerer Corona-Regeln die Chance besteht, dass sich die Fallzahlen nur alle vier Tage verdoppeln. Das würde Zeit verschaffen, um zu impfen, zu boostern und die Belegung der Intensiv-Stationen weiter zu reduzieren. Das scheint nötig, denn auch bei einer Verdoppelung nur alle vier Tage wäre man in drei bis vier Wochen bei täglich 100 000 Omikron-Fällen. Die schiere Wucht der Zahl könnte auch bei einem geringeren Anteil schwerer Verläufe Probleme machen.
Forscher des Imperial College in London sehen die Wahrscheinlichkeit eines Klinikaufenthalts bei einer Infektion mit Omikron um bis zu 40 Prozent geringer als bei einer Infektion mit Delta. Daten aus Schottland und Südafrika weisen teils auf noch geringere Hospitalisierungswahrscheinlichkeiten hin (siehe oben). Laut Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, spielt dabei auch bei Omikron der Immunstatus eine Rolle. „Bei Menschen ohne Impfung oder Immunisierung durch frühere Infektion ist das Risiko einer Hospitalisierung laut den Studien ähnlich hoch“, sagte Falk dem ZDF mit Blick auf englische und schottische Daten. Laut der Londoner Studie sinkt die Hospitalisierungsrate bei Ungeimpften durch Omikron moderat im Vergleich zu einer Infektion mit Delta nach dem Boostern aber deutlich.
Unklar ist die Datenlage bisher zum Risiko von Omikron für Kinder. Die Gesundheitsbehörde von New York meldete, in New York City habe sich die Zahl der coronabedingten Krankenhauseinweisungen bei Kindern unter 18 Jahren in der vierten im Vergleich zur zweiten Dezemberwoche vervierfacht. Die Hälfte sei jünger als fünf Jahre und somit noch ungeimpft. Von den betroffenen Kindern zwischen fünf und elf Jahren sei keines vollständig geimpft. Bei den 12- bis 17-Jährigen unter den Eingewiesenen hätten drei Viertel keinen vollständigen Impfschutz gehabt.
Ob der Anstieg direkt mit den Eigenschaften von Omikron zu tun hat oder nur mit dem hohen Infektionsgeschehen, geht aus den Angaben nicht hervor. Die Behörde verwies lediglich auf einen rapiden Anstieg der Omikron-Fälle in der Region, teilte aber nicht mit, ob nur die Zahl oder auch der Anteil von Kindern unter den Hospitalisierten zuletzt stieg.
Derweil macht Frankreich eine vollständige Impfung zur Voraussetzung für den Besuch von Veranstaltungen oder Restaurants. Vom 15. Januar an soll ein negativer Test nicht mehr anerkannt werden. Dies entspricht der deutschen 2G-Regel. Das Parlament muss noch zustimmen. S. REICH