60 Prozent der deutschen Krankenhäuser gehen davon aus, dass sie 2021 Verlust gemacht haben. Gut, es war ein Corona-Jahr, könnte man nun sagen. Dadurch sind viele der Behandlungen ausgefallen, die sich für die Häuser wirtschaftlich lohnen. Doch das Problem liegt tiefer.
Denn abseits von Corona-Einbußen und staatlichen Hilfsleistungen steckt die deutsche Kliniklandschaft schon länger in einer Strukturkrise. Gerade viele klassische Kreiskliniken stehen auf finanziell wackeligen Beinen in einem brutalen Wettkampf. Die oft kleineren Häuser buhlen gegeneinander um Patienten und knappes Personal. In Gebieten wie dem Münchner Speckgürtel konkurrieren sie dabei zusätzlich auch noch mit den Spitzenmedizin-Standorten in der Großstadt, die mit deutlich größerer OP-Routine und somit im Zweifel oft auch besserer Behandlungsqualität aufwarten können.
Aus diesem Blickwinkel stimmt es also, dass Deutschland insgesamt über zu viele Krankenhäuser verfügt. Und tatsächlich ist es sinnvoll, dass Kliniken, dort wo es zu viel Angebot gibt, stärker zusammenarbeiten und auch fusionieren. Trotzdem greifen die im gesundheitspolitischen Berlin teils recht populären Forderungen zu kurz, mittelfristig einfach die Hälfte der Häuser vom System zu nehmen. Eine solche Zentralisierung mag Effizienz-Vorteile bieten. Doch besonders im ländlichen Raum ist Erreichbarkeit wichtig – nicht nur für ältere Patienten. Die Kliniken, die dort die Versorgung in der Fläche sicherstellen, muss deshalb notfalls der Staat am Leben halten. Selbst wenn sie sich finanziell nicht rechnen.
Sebastian.Horsch@ovb.net