Omikron-Ausfall: Wie Bayern vorsorgt

von Redaktion

VON KATHRIN BRAUN

München – Omikron überrollt Europa. Laut Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) lässt sich die fünfte Welle nicht mehr aufhalten – und der Corona-Expertenrat will allmählich in den Notbetrieb schalten: Das Gremium befürchtet Lücken in der kritischen Infrastruktur. Polizei, Feuerwehr, Stromversorger und Müllabfuhren etwa könnten von Personalmangel betroffen sein, wenn Omikron zu viele Mitarbeiter in Quarantäne oder ins Krankenbett zwingt. Wie gut ist Bayern dafür gerüstet?

„Wir sind vorbereitet und optimistisch“, sagt Judith Kurzmeier von der Polizei München. Seit Beginn der Pandemie habe man so viele Beamte wie möglich ins Homeoffice geschickt – die Dienstpläne seien so entzerrt, dass sich keine gesamten Dienststellen in Quarantäne begeben müssen.

Bei der Feuerwehr sieht man das ähnlich. „Wir haben unsere Notfallpläne seit Frühjahr 2020 zigmal angepasst“, sagt Jan Saurer von der Berufsfeuerwehr München. Neben den alarmbereiten Feuerwehrlern seien ohnehin täglich hunderte weitere für Verwaltungsarbeiten im Homeoffice. Bei Notfällen und Personalmangel könnten dann auch diese Mitarbeiter ausrücken. „Wir haben genug Personal in der Hinterhand.“

Laut bayerischem Wirtschaftsministerium ist auch die Versorgung von Strom und Gas gesichert. Die Notfallpläne der Versorger wurden wegen Omikron erst kürzlich noch mal überprüft, sagt eine Sprecherin. Die Energiekonzerne hätten sich zum Beispiel mit der Fernsteuerung von Anlagen und ausreichend Ersatzteil-Vorräten vorbereitet. Man sei auch für „besonders kritische Szenarien des weiteren Pandemieverlaufs“ gewappnet.

Bei den Stadtwerken München (SWM) kommt sogar eine Kasernisierung der Mitarbeiter der Energie- und Trinkwasserversorgung infrage, um keine Lücken entstehen zu lassen. „Die Bereitschaft für diese Notmaßnahme, die zum Glück bisher nicht nötig war, war und ist sehr hoch“, sagt ein SWM-Sprecher.

Im Nahverkehr drohen hingegen leichte Einschränkungen. Zwar gebe es Notfallpläne für Personalengpässe – die funktionierten aber „naturgemäß nur bis zu einer gewissen Größenordnung“, sagt MVG-Sprecher Johannes Boos. Bei größeren Personalengpässen könne deshalb der U-Bahn-Takt um einzelne Fahrten ausgedünnt werden.

Was Omikron im Flugverkehr ausrichten kann, ist derzeit in den USA zu spüren. Große Fluglinien strichen über Weihnachten 1700 Flüge – weil Piloten und Besatzungen ausgefallen sind, teils allerdings auch wegen des Winterwetters. Am Flughafen München sei der stabile Betrieb gesichert, meint Sprecher Robert Wilhelm. Bei den Terminaldiensten und im Tower etwa seien die Dienste so eingeteilt, dass sich Mitarbeiter aus verschiedenen Schichtplänen nicht begegnen können. Grundsätzlich könne der Flughafen „schnell und flexibel auf äußere Einflüsse“ reagieren.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) hat für einen Personalmangel sogar verschiedene Eskalationsstufen vorbereitet. Der Drei-Stufen-Plan beginnt mit einfachen Schichtplänen, in kritischen Fällen könnten aber auch Mitarbeiter aus dem Urlaub geholt werden, sagte eine Sprecherin. Im „äußersten Notfall“ müsse der Leistungsumfang reduziert werden. Ob der Abfall der Münchner in jedem Fall abgeholt wird, konnte der AWM nicht garantieren.

Hingegen geht der Handelsverband Bayern (HDE) von einer lückenlosen Versorgung zumindest in Supermärkten aus. Für den täglichen Bedarf bestehe „kein Grund zur Panik“, verspricht HDE-Sprecher Bernd Ohlmann. „Absurde Szenen wie bei den Hamsterkäufen im Frühjahr 2020 müssen sich keinesfalls wiederholen.“ Supermärkte hätten in enger Abstimmung mit den Gesundheitsämtern spezielle Pandemiepläne erarbeitet. Viele Märkte arbeiteten mit Zeitarbeitsfirmen zusammen, um notfalls genug Personal bereitzustellen.

Artikel 6 von 11