Es ist selten, dass sich Airlines mit ihren Kritikern einig sind – hier aber schon: Dass die Lufthansa Tausende von Flügen mit leeren Maschinen durchführen muss, nur um ihre Start- und Landerechte zu behalten, ist ökologischer und ökonomischer Unsinn. So wird das nichts mit dem Klimaschutz, der in der Luftfahrt neuerdings gerne beschworen wird.
Ein Stück weit ist die Luftfahrtbranche an dem Desaster selber schuld. Sie sprach mit gespaltener Zunge: Während die Fluggesellschaften schon im Sommer warnten und Ausnahmeregelungen beim starren System der sogenannten Slot-Vergabe anmahnten, war der europäische Lobbyverband der Flughäfen (dem der Münchner Flughafenchef Jost Lammers vorsteht) zu optimistisch. Er glaubte die Corona-Krise schon halb überwunden und warnte vor einer zu starken Ausdünnung der Flugpläne.
Jetzt muss die EU den Schaden schnell reparieren – mit einem neuerlichen Aussetzen der Slot-Regel. Die Hoffnung, dass das geschieht, ist freilich gering. Die EU ist zwar nicht reformunfähig, wie Fundamentalkritiker gerne behaupten. Aber Brüssel reagiert auf akute Problemlagen, die sich gerade in Corona-Zeiten auch noch abrupt ändern können, erfahrungsgemäß leider nicht schnell genug.
Dirk.Walter@ovb.net