EU und „grüne“ Energie

Deutsche Rechnung geht nicht auf

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Willkommen auf dem internationalen Parkett. Es kann rutschig sein dort. Deutschlands Regierende erfahren gerade, dass aus Europa unerwartete Querschüsse kommen können. Der Brüsseler Vorschlag, die moderne Atomenergie als „grün“ einzustufen, rüttelt die behagliche deutsche Energie-Ideologie gehörig durcheinander. Leider zu spät, aber hoffentlich gründlich.

Noch ist der Vorschlag im Frühstadium, ein Entwurf aus dem Verwaltungsapparat Kommission, die Beratung in demokratisch legitimierten Institutionen folgt erst. Da ist viel Zündstoff drin. Teil des Pakets ist ja, auch den fossilen Energieträger Erdgas mit einigen Vorgaben als „grün“ zu bemänteln. Offensichtlich ist das der Versuch, französische wie deutsche Interessen in der immer wichtigeren Energiepolitik irgendwie zusammenzubinden.

Nüchtern betrachtet: Gegen beide Energieformen spricht einiges. Das Endlagerproblem und Sicherheitsfragen bei Alt-Meilern lindern die Freude über die gute CO2-Bilanz der Kernenergie; das Verbrennen von Gas allen Ernstes als „grün“ abzufeiern, ist auch bizarr. Trotzdem sollte das EU-Papier dringend ein Weckruf für Berlin sein: Das bisherige Konzept, aus Kernenergie und Kohle eilig auszusteigen, dabei CO2-Ziele zu verschärfen und nur landschaftsverträglich Leitungen und Windkraft zuzubauen – es geht einfach nicht auf, beim besten Willen nicht. Erst recht nicht mit Blick auf die riesige Gefahr, sich von Putins Gaslieferungen abhängig zu machen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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