Krise im Sudan

Wieder stirbt eine Hoffnung

von Redaktion

ALEXANDER WEBER

Und wieder zerplatzt die Hoffnung auf einen demokratischen Frühling in einem arabisch-afrikanischen Land. Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Abdullah Hamdok steht der Sudan am Scheideweg zwischen Militärdiktatur oder Bürgerkrieg. Der bedauernswerte Hamdok, der das nordostafrikanische Land nach dem Sturz des Langzeit-Herrschers Omar al-Baschir im April 2019 in eine demokratische Zukunft führen wollte, musste erkennen, dass er im Machtkampf mit den Militärs nicht mehr sein konnte als ein ziviles Feigenblatt.

Vorerst hat sich die Waage der Macht also zugunsten der korrupten Militärs gesenkt, die im Bunde mit den alten Eliten die lukrativen Geschäfte – vom Öl bis zu Agrarprodukten – für sich reserviert haben. Den Rest der maroden Wirtschaft überließen sie dem Volk. Daran wird sich nun nichts ändern – zur großen Enttäuschung vor allem der jungen Generation im Sudan, die die Felle ihrer Zukunft davonschwimmen sieht. Dass sich dieser Frust bei vielen der Demokratiebewegung in Gewalt umwandeln könnte, muss befürchtet werden.

Wo Verlierer sind, gibt es Gewinner. Die autokratischen Herrscher in den Nachbarstaaten Ägypten, Saudi-Arabien und den Emiraten reiben sich die Hände: Ihre Throne scheinen wieder sicherer.

Alexander.Weber@ovb.net

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