Ziemlich beste Freunde

von Redaktion

Merz und Söder lassen beim ersten Treffen seit Monaten lieber nur Bilder sprechen

München – Die Fakten sind relativ schnell erzählt: Markus Söder und Friedrich Merz haben sich am Montagmittag am Kirchsee und im Stüberl des benachbarten Klosters Reutberg bei Bad Tölz zu einem ersten persönlichen Gespräch getroffen, seitdem Merz von den CDU-Mitgliedern zum neuen starken Mann der großen Schwesterpartei bestimmt wurde. Hinterher war von beiden kein Sterbenswörtchen darüber zu erfahren, was genau man inhaltlich denn besprochen habe. Schließlich galt das Verhältnis der beiden konservativen Alphatiere zuletzt als mindestens so stürmisch wie der Föhnwind, der ihnen gestern im Oberland um die Ohren pfiff.

Letzteres weiß man, weil sich zu dem Termin – natürlich ganz zufällig – auch ein Fotograf der Nachrichtenagentur dpa am Kirchsee einfand. Der dokumentierte zwei nachdenkliche Herren auf dem Steg, zwei lachende Herren auf einer Bank und einen älteren Herrn, der dem jüngeren freundschaftlich den Arm auf die Schulter legt. „Neustart“, twitterte Söder zu einem dieser Bilder. „CDU und CSU schließen sich wieder eng zusammen. Gute und intensive Abstimmung mit Friedrich Merz in Bayern. Wir freuen uns auf erfolgreiche Zusammenarbeit.“ Zeilen der Harmonie, bei denen kritische Nachfragen nur stören können.

Ein Neustart ist auch nötig. Die Beziehung der beiden gilt als gestört. Merz hatte sich massiv über Söders Querschüsse gegen Armin Laschet im Wahlkampf geärgert. Söder wiederum hält den 66-jährigen Merz für einen Mann von gestern. Unter Merz wird die CDU den Bayern deutlich selbstbewusster gegenübertreten als unter Laschet. Trotzdem werden sich beide zusammenraufen müssen. Ob sie wollen oder nicht. „Auch Alphatiere werden scheitern, wenn sie Miteinander und Team nicht wertschätzen“, hatte Europapolitiker Manfred Weber, Chef der EVP-Fraktion in Brüssel, den beiden unlängst ins Stammbuch geschrieben. Wenn vergangenes Jahr eines gezeigt habe, dann: „Es geht nur gemeinsam!“

Merz, der seit Herbst wieder im Bundestag sitzt, ist regelmäßiger Gast in Bayern. Am Tegernsee besitzt er ein Ferienhaus, sein Auto hat ein Miesbacher Kennzeichen. Auch an der CSU-Basis hat er viele Fans. Zum Gespräch erschien er im Trachtenjanker. Er selbst twitterte ein wenig nüchterner: „Gutes Gespräch zum Jahresbeginn mit Markus Söder am Kirchsee in Oberbayern.“  mik

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