Beamtenbund kritisiert den Staat

Arbeitsauftrag vom Staatsdiener

von Redaktion

MIKE SCHIER

Der Beamte im Allgemeinen und der Beamtenbund im Besonderen neigt nicht zum Revoluzzertum. Umso schwerer wiegen die harschen Worte des DBB-Vorsitzenden Ulrich Silberbach, der dem deutschen Staat in der Pandemiebewältigung ein vernichtendes Zeugnis ausstellt. „Jeder Kindergeburtstag“ sei besser organisiert als das Virus-Krisenmanagement, schimpfte der Beamten-Chef. Marokko habe „das Impfen besser hingekriegt als wir“, Rumänien ein besseres Internet. Der öffentliche Dienst sei „technisch oft im Vorgestern stecken geblieben“.

Diese Analyse hat Silberbach zwar nicht exklusiv. Doch die gestrige Wortwahl war vor allem deshalb bemerkenswert, weil zum Zuhörerkreis seiner Rede mehrere Minister der neuen Ampel-Koalition gehörten. Die guten Wahlergebnisse von Grünen und FDP gerade unter jungen Wählern hatten sich nicht zuletzt aus dem Verlangen nach einer Modernisierung Deutschlands gespeist. Nun kommt der Arbeitsauftrag aus der Beamtenschaft.

Die Schwäche des Staates bei Organisation und Kommunikation ist offensichtlich, „Digitalisierung“ längst das Zauberwort jeder Sonntagsrede. Nur: In der Praxis schieben sich Bund, Länder und Kommunen die Verantwortung zu. So geht’s nicht weiter. Berlin muss vorangehen.

Mike.Schier@ovb.net

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