„Die CSU braucht mehr Ideen“

von Redaktion

Bayerns JU-Chef fordert mehr Initiative, vor allem von der Fraktion – und deren Verjüngung

Die CSU startet unruhig ins neue Jahr. Die Stimmung in Bayern ist gereizt, die Umfragewerte sind schlecht, alle Regierungsämter in Berlin sind verloren gegangen. Was muss sich ändern? Wir sprachen mit Christian Doleschal (33), dem Chef der Jungen Union. Der einst sehr Söder-freundliche Verband erlaubt sich inzwischen Widerworte. Doleschal, Abgeordneter im Europaparlament, verlangt mehr Impulse, unter anderem aus der Landtagsfraktion.

Wie ist die Laune bei der 32-Prozent-Partei CSU?

Die Laune ist immer gut, aber die Lage muss sich bessern. Es läuft eben nicht alles super, sonst wären wir nicht bei 32 Prozent in den Umfragen. Die CSU muss auf allen Ebenen zulegen. Wir müssen Vertrauen zurückerkämpfen. Das heißt für die Corona-Politik: Wir sollten als Volkspartei jetzt das Land versöhnen, zusammenführen, Kompromisse finden. Und dann, im Jahresverlauf hoffentlich nach Corona, neue Impulse für Bayerns Politik setzen.

Bei der letzten Landesversammlung haben zornige JUler einen Passus gestrichen, der Markus Söder als „Zugpferd“ lobpreist. Lahmt das Zugpferd noch?

Nein. Markus Söder ist unsere Nummer 1, er führt Bayern gut. Er hat bewiesen, dass er zuhört, die Stimmung ernst nimmt. Auch mit uns gab es noch mal vier Stunden Aussprache. Das Teamspiel muss stärker werden, aber das heißt auch: Es braucht aus allen Ebenen und von allen Arbeitsgemeinschaften der CSU mehr Ideen. Das heißt für Bayern auch aus der Fraktion und im Kabinett.

Sind Ihnen die CSU-Abgeordneten zu still?

Die Landtagsfraktion steht ja jetzt vor einer Klausurtagung. Da müssen schon ordentliche Impulse kommen, wenn 2022 ein Jahr der inhaltlichen Positionierung werden soll. Wir können in mehreren Bereichen zulegen: Wir müssen uns mehr Gedanken machen über die Zukunft des ländlichen Raums – da waren wir früher besser. Und wir müssen den Markenkern der CSU besser pflegen. Beispiel stabile Finanzen: Um die Corona-Krise abzufedern, mussten wir gewaltig in die Rücklagen greifen.

Also: Raus aus den Schulden, auch in Bayern?

Absolut. Wir konnten dank solider Finanzen kräftiger investieren und mehr stabilisieren als andere Länder. Aber jetzt müssen wir schnellstmöglich zur schwarzen Null zurück, am besten 2023.

In der CSU wird über eine Kabinettsumbildung geraunt. Wen könnte die Junge Union ernsthaft für hohe Ämter anbieten?

Wir stellen mit Judith Gerlach eine starke, junge Ministerin im Kabinett, haben gute Leute in Berlin und in der Kommunalpolitik: Die Junge Union stellt mehr Bürgermeister als die Grünen in Bayern. Maßstab fürs ganze Kabinett muss einfach sein: Bayern gut regieren und bundespolitische Akzente setzen können. Bei der Landtagswahl 2023 gilt es die Landtagsfraktion zu verjüngen: Im Herbst 2023 sind 27 von 84 CSU-Abgeordneten über 60 Jahre.

Ihre JU Bayern wird morgen 75. Bisschen mehr Schwung im eigenen Laden wäre auch willkommen, oder?

Auch wir nehmen uns nicht aus von der Kritik. Es muss immer mehr gehen. Ein diskussionsfreudiger Jugendverband leidet natürlich besonders, wenn Corona persönliche Treffen fast unmöglich macht. Wir haben aber im letzten Jahr intern einen Generationenwechsel angepackt, von 107 Kreisvorsitzenden sind 52 neu. Die wollen Gas geben. Mir ist nicht bang um die Zukunft.

Interview: cd/mik/mmä

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