Ukraine-Gipfel USA/Russland

Europa sitzt wieder am Katzentisch

von Redaktion

ALEXANDER WEBER

Europa sitzt wieder am Katzentisch der Weltpolitik. Sobald es ernst wird, wie aktuell in der Ukraine-Krise, bitten Amerikaner und Russen zum Tango. Wie in den längst überwunden geglaubten Zeiten des Kalten Krieges. Der Offenbarungseid der selbst ernannten „Softpower-Weltmacht EU“ wird immer peinlicher. Dass über eine Frage von Krieg und Frieden in Europa – zunächst – ohne die Europäer gesprochen wird, zeigt die wahren Machtverhältnisse in der Welt.

Nicht anders als Fatalismus ist die Äußerung der Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des Bundestags, Strack-Zimmermann, zu werten. Die FDP-Politikerin meinte angesichts des russischen Truppenaufmarschs an der Grenze zur Ukraine schulterzuckend zur Frage von Waffenlieferungen an Kiew: „Wir sollten den Amerikanern überlassen, wie sie damit umgehen.“ Mehr Kapitulation geht nicht.

Russlands Präsident Putin kann sich die Hände reiben. Er spricht wieder auf Augenhöhe mit den Amerikanern. Allein die Symbolkraft des Genfer Gipfel-Duells ist ein Meilenstein in Putins Bestreben, den Machtbereich der Sowjetunion so weit wie möglich wieder zu restaurieren. Natürlich weiß er, dass er keinem freien Land die Wahl des Bündnisses verweigern kann. Aber genau deshalb gängelt und bedroht er seine Nachbarländer ja so lange, bis diese wieder unter Moskaus Knute stehen. Von Europa bekommen sie ja nur warme Worte.

Alexander.Weber@ovb.net

Artikel 7 von 11