Nächste Woche wählt der CDU-Parteitag Friedrich Merz – jetzt auch formal – zum Vorsitzenden. Drei harte Anläufe hat der Sauerländer dafür benötigt. Ein zweites, fast ebenso wichtiges Amt bekommt der 66-Jährige dagegen jetzt auf dem Silbertablett serviert, und zwar überraschend aus München: CSU-Chef Söder dürfte mit seiner öffentlichen Festlegung, der CDU-Vorsitzende habe den ersten Zugriff auf den Vorsitz der gemeinsamen Bundestagsfraktion von CDU und CSU, den Machtkampf zwischen dem bis März gewählten Ralph Brinkhaus und Friedrich Merz um die Rolle des Berliner Oppositionsführers entschieden haben.
Das ist richtig – die vom Wähler zerzauste Union braucht endlich wieder eine klare Führung und muss ihre verbliebenen Kräfte bündeln, statt die wenige Macht auch noch auf viele Schultern zu verteilen. Ohne die Bühne des Parlaments kann Merz den Anspruch der Union, Reserve-Kanzlerpartei zu sein, nicht formulieren. Aber es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: 2002 war es CSU-Chef Stoiber, der den damaligen Streit zwischen Merkel und Merz um den Fraktionsvorsitz entschied – gegen Merz, der sich daraufhin tief enttäuscht aus der Politik zurückzog.
Söders Parteinahme ist als Versöhnungsangebot an Merz zu verstehen, mit dem es im Bundestagswahlkampf ernsthafte Auseinandersetzungen gab. Darunter will der CSU-Chef nun einen Schlussstrich ziehen, und er garniert diesen mit dem schillernden Satz, das Jahr (des Unionsstreits) 2021 dürfe sich nicht wiederholen. Das erinnert an Merkels berühmt gewordenen Ausspruch über das Migrationsjahr 2015. Wer mag, kann daraus auch einen Hauch von Reue lesen.
Georg.Anastasiadis@ovb.net