Die Nachricht schlug im Vereinigten Königreich ein wie eine Bombe: Königin Elizabeth II. degradierte ihren Lieblingssohn Andrew öffentlich und entzog ihm alle militärischen Dienstgrade und royalen Schirmherrschaften. Andrew werde sich in dem bevorstehenden Missbrauchsprozess als privater Bürger verteidigen. Dass der Palast mit derart drastischen Schritten auf die neuesten Entwicklungen reagiert, zeigt, wie ernst man die Vorwürfe gegen den zweitältesten Sohn der Queen anscheinend doch nimmt. Bisher hatte die Königin die Geschehnisse unkommentiert gelassen. An Mittwoch jedoch war der Prinz endgültig mit dem Versuch gescheitert, eine US-Klage wegen Missbrauchsvorwürfen zu stoppen.
Natürlich gilt auch für Andrew, wie für jeden Beschuldigten, zunächst die Unschuldsvermutung. Doch die Schlinge um den Hals des Prinzen zieht sich immer enger: Sein mutmaßliches Opfer, die damals minderjährige Virginia Giuffre, ist an einer außergerichtlichen Einigung offenbar nicht interessiert und wild entschlossen, ihre Geschichte vor Gericht zu erzählen. Im schlimmsten Fall drohen Andrew Millionenzahlungen und sogar ein Strafprozess. Auch ein Prinz kann sich, sollten ihre Vorwürfe stimmen, im 21. Jahrhundert der Gerechtigkeit nicht entziehen.
Claudia.Muschiol@ovb.net