Berlin/London – Nach umstrittenen Äußerungen zum Umgang mit Russland ist der Chef der deutschen Marine, der Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, zurückgetreten. Er habe Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) seinen Rücktritt angeboten und diese habe ihn angenommen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Schönbach wurde demnach „mit sofortiger Wirkung“ von seinen Aufgaben entbunden.
Schönbach hatte sich am Freitag bei einem Auftritt in Indien zum Ukraine-Konflikt geäußert. Den von westlichen Staaten befürchteten Einmarsch russischer Truppen bezeichnete er dabei als „Nonsens“, wie aus einem Video hervorging. Was Russlands Präsident Wladimir Putin wirklich wolle, sei „Respekt auf Augenhöhe“. Es sei „leicht, ihm den Respekt zu geben, den er will – und den er wahrscheinlich auch verdient“. Man brauche Russland gegen China. Zudem sagte Schön, die 2014 von Russland annektierte Krim sei „verloren“.
Daraufhin hatte das Außenministerium in Kiew am Samstag die deutsche Botschafterin einbestellt. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, sagte nach Schönbachs Rücktritt, dieser habe „die gesamte ukrainische Öffentlichkeit in tiefen Schock versetzt“. Melnyk sprach zudem von einer „zynischen Verharmlosung der völkerrechtswidrigen Krim-Besetzung“ und einem mit Hochnäsigkeit vorgetragenen Bezweifeln der Souveränität der Ukraine.
Aus den Äußerungen des Marine-Chefs spreche „deutsche Arroganz und Größenwahn, mit denen einer der hochrangigsten Köpfe der Bundeswehr von einer heiligen Allianz mit Kriegsverbrecher Putin und einem deutsch-russischen modernen Kreuzzug gegen China träumt“. Melnyk sagte der „Welt“, sein Land begrüße, „dass Herr Schönbach seinen Rücktritt angeboten hat“. Der Eklat hinterlasse aber „einen Scherbenhaufen“ und stelle die internationale Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit Deutschlands „massiv infrage“.
Kritik aus Kiew gab es am Samstag auch, nachdem Verteidigungsministerin Lambrecht erneut deutsche Waffenlieferungen abgelehnt hatte. „Die deutschen Partner müssen aufhören, mit solchen Worten und Taten die Geschlossenheit zu untergraben und Wladimir Putin zu ermutigen, einen neuen Angriff auf die Ukraine zu starten“, schrieb der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba auf Twitter. In Deutschland waren zunehmend Forderungen zu vernehmen, die Position zu Waffenlieferungen aufzuweichen. Dagegen sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, er könne sich deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine nicht vorstellen. Eine Aufnahme der Ukraine in die Nato stehe „auf lange Zeit“ nicht auf der Tagesordnung.
Derweil warnte das britische Außenministerium, Moskau arbeite an Plänen, eine prorussische Führung in Kiew zu etablieren. Entsprechende Informationen lägen dem Ministerium vor. Schlüsselfigur solle der frühere ukrainische Abgeordnete Jewgenij Murajew sein. Der wies die Vorwürfe zurück. Moskau warf London „Desinformation“ vor. dpa/afp