Marx gesteht Schuld ein

Ein Kardinal auf Bewährung

von Redaktion

CLAUDIA MÖLLERS

Es ist ein geschickter Schachzug von Kardinal Reinhard Marx, sein Amt mit der Akzeptanz der Gläubigen zu verknüpfen. Trotz persönlicher Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen, die er auch einräumt und für die er sich glaubhaft entschuldigt, bleibt der Münchner Erzbischof im Amt. Aber er ist zum Rücktritt bereit, wenn er bei der weiteren Aufarbeitung als Hindernis empfunden werde.

Reinhard Marx hat sich quasi unter Bewährung gestellt. Den Missbrauchsopfern und den Gläubigen seiner Diözese gilt es nun zu beweisen, dass er wirklich verstanden hat. Echte Empathie für die Betroffenen nicht nur anzukündigen, sondern sie auch zu leben, dafür braucht es einen inneren Paradigmenwechsel. Er muss von sich aus auf die Menschen zugehen und sich um sie kümmern. Wie es ein wahrer Seelsorger tun sollte. Das Missbrauchsgutachten hat in erschreckender Weise deutlich gemacht, dass es verantwortlichen Klerikern nicht einmal in den Sinn gekommen war, sich in die Rolle der Betroffenen zu versetzen. Sie wurden schlicht ausgeblendet und als Gefahr für die Institution begriffen. Marx verspricht, dass er das ändern will.

Gleichzeitig muss er seinen Einfluss in der deutschen Kirche und beim Papst nutzen, um konkrete Reformen für eine Erneuerung der Kirche auf den Weg zu bringen. Dem Kardinal, der sich nicht nachsagen lassen will, dass er „sich vom Acker macht“, steht eine schwierige Bußzeit bevor.

Claudia.Moellers@ovb.net

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