Mehr Bischöfe schwenken auf Reformkurs ein

von Redaktion

Synodaler Weg spricht sich für Frauenweihe und Segnung homosexueller Paare aus – Entscheidung liegt aber in Rom

Frankfurt/München – Offensichtlich hat die Mehrheit der katholischen Bischöfe in Deutschland den Ernst der Lage erkannt: Auf der am Wochenende zu Ende gegangenen Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt wurden Reformvorhaben mit erstaunlichen Mehrheiten beschlossen. Die 215 Synodalen votierten nicht nur für die Lockerungen beim Zölibat (wir berichteten), sondern auch für die Weihe von Frauen zu Diakoninnen, die Segnung homosexueller Paare (hier gab es allerdings 34 Nein-Stimmen) und die Mitsprache von Gläubigen bei der Bischofswahl.

„Die Angst bröckelt jetzt endlich“, stellte die Ordensschwester Philippa Rath (66). „Wenn wir diese Texte verabschieden, wird die Kultur der Angst hoffentlich weichen und zu einer Kultur der Offenheit und der Akzeptanz“, sagte die Benediktinerin, die seit Jahren gegen die „klerikale Männerkirche“ kämpft. Dass sich jetzt in vielen Fragen auch die 69 Bischöfe mit einer Zweidrittelmehrheit hinter die Reformvorhaben gestellt haben, wird als wichtige Weichenstellung für die Zukunft gesehen. Oder anders gesagt: Wäre das nicht zustande gekommen, hätte das das Ende des Synodalen Wegs bedeuten können. Denn viele Synodale hatten bereits erklärt, dass sie für eine reine Show-Veranstaltung nicht zur Verfügung stehen wollen.

Entsprechend erleichtert zeigte sich auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing: „Es passiert unglaublich viel.“ Und die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Beate Gilles, sagte erleichtert, dass ihr ein Stein vom Herzen gefallen sei. Vor allem auch gerade deshalb, weil die Bischöfe weitgehend mit einer Mehrheit von Zwei Dritteln für die Texte gestimmt hatten. Weil Kirche keine Demokratie ist, kann nichts beschlossen werden, wenn es nicht von einer deutlichen Mehrheit der Bischöfe unterstützt wird. Zivile Eheschließungen von gleichgeschlechtlichen Paaren oder von Geschiedenen sollen künftig kein Kündigungsgrund mehr für kirchliche Angestellte sein. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte dazu: „Wir müssen da ran! Es ist sehr schmerzlich, wenn man da manchmal wirklich gute Leute entlassen muss.“ Dafür stimmten 93 Prozent der Synodalen. „Schwerwiegende persönliche sittliche Verfehlungen“ im Blick auf Machtmissbrauch sollen indes als neuer Kündigungsgrund hinzukommen.

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hat sogleich die Bischöfe aufgefordert, sehr schnell mit der Umsetzung von konkreten Reformen zu beginnen. So könnten sie verbindlich erklären, dass keine arbeitsrechtlichen Diskriminierungen von Personen aufgrund ihrer persönlichen Lebensführung vorgenommen werden.

Das kirchliche Arbeitsrecht ist einer der wenigen Punkte, die die deutschen Bischöfe aus eigener Macht reformieren können. In den anderen Fragen – Zölibat, Weihe der Frau, Änderung der Sexualmoral – liegt die Entscheidungsgewalt in Rom. Da sich aber in den meisten Fragen die Bischöfe mit einer Zweidrittelmehrheit hinter die Reformpläne stellen, wächst die Hoffnung, dass der Papst über diese Entwicklung nicht einfach hinweggehen kann. Beobachter stellten daher bei der Versammlung in Frankfurt fest, dass vor allem Frauen von einem „historischen Moment“ sprachen.

CLAUDIA MÖLLERS

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