KLAUS RIMPEL
Die Sonne scheint, wir freuen uns auf Lockerungen in der Pandemie – da platzt diese Meldung hinein, die so surreal klingt für unsere seit 1945 in Frieden lebende Gesellschaft: Laut US-Geheimdienstberichten könnte Russland am Mittwoch die Ukraine angreifen! Noch besteht die vage Hoffnung, dass die CIA mit diesem erschreckend konkreten Datum Putins Pläne durchkreuzt. Zumindest beteuert Moskau ja immer wieder, dass es keine Absicht gebe, das Nachbarland zu überfallen – und es bedürfte nun schon einer besonders dreisten Propaganda-Lüge, wenn Russland jetzt noch einen vermeintlichen Angriff Kiews oder des Westens konstruieren wollte, auf den Moskau „reagiert“.
Die Welt steht vor einem historischen Moment. Lässt sich ein Krieg mit all seinen menschlich und wirtschaftlich katastrophalen Folgen verhindern, indem man Putin gibt, was er fordert – eine Garantie, dass die Ukraine niemals Nato-Mitglied wird? Oder wäre das analog zum Münchner Abkommen, als der Westen Adolf Hitler in der Sudetenfrage nachgab, eine Appeasement-Politik, die nicht nur Russland, sondern auch China in der Taiwan-Frage ermutigen könnte, sich mit Gewalt zu holen, was immer sie wollen? Oder gelingt es, Putin mit Sanktions-Drohungen zu bändigen? Olaf Scholz, dem ja lange Zögerlichkeit in der Ukraine-Frage vorgeworfen wurde, ist jedenfalls im entscheidenden Moment in Moskau. Gerade weil der Kanzler den Nordstream-2-Trumpf nicht vorschnell ausgespielt hat, könnte er etwas bewirken.
Klaus.Rimpel@ovb.net