Eine Corona-Maßnahme „gezielter“ einzusetzen, wie es Karl Lauterbach ausdrückt, heißt nichts anderes, als dass man einen Mangel irgendwie verwalten muss. Die kostenlosen PCR-Tests, seit Samstag an einen positiven Schnelltest aus dem Testzentrum geknüpft, sind so ein Beispiel. Dass die Labore an ihre Grenzen stoßen, hat sich schon lange abgezeichnet. Nun ist der Punkt erreicht, an dem die Politik vor der schieren Menge an Tests kapituliert. „Zielsicher“ zu handeln klingt nur besser.
Man kann dem Gesundheitsminister schwer vorwerfen, dass die Infrastruktur überlastet ist. Dafür ist er zu kurz im Amt. Problematisch ist die Einschränkung trotzdem. Es droht ein noch stärkerer Ansturm auf die (Schnell)-Teststellen, von denen viele ohnehin wie die Labore am Anschlag sind. Und sie stuft die Alarmmeldungen der Corona-Warn-App herab – ein Instrument, in das die Politik auch mal große Hoffnungen gesetzt hat.
Zudem könnte mancher Infizierte künftig auf die Idee kommen, sich die Hürde eines offiziellen Tests zu sparen und einfach daheim zu bleiben. Deshalb gibt es nicht weniger Corona-Patienten, sie erscheinen nur nicht mehr alle auf dem Radar. Vielleicht melden sie sich krank, vielleicht erliegen aber auch einige der Versuchung, die Quarantäne zu umgehen, weil sie ja kein offizieller Covid-Patient sind. So droht ein neuer Kontrollverlust. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Infektionswelle.
Marc.Beyer@ovb.net