Frankfurt – Der Schnelltest zu Hause ist trotz Symptomen beharrlich negativ, der PCR-Test im Labor aber positiv. Oder umgekehrt: Der Antigentest bei einer engen Kontaktperson ist positiv, der Labortest negativ. Fast jeder kennt solche Fälle.
Der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte, Andreas Bobrowski, berichtet von Menschen, die „von Testzentrum zu Testzentrum laufen, bis sie das Ergebnis haben, das sie haben wollen“. Die einen wollten sich freitesten, die anderen einen positiven Bescheid, um als genesen zu gelten. Die meisten wollten natürlich ein korrektes Ergebnis – aber für den Laien sei die Test-Qualität schwer zu erkennen. „Man kann jede Menge Fehler machen“, sagte Bobrowski. „Vor der Pandemie waren die professionelle Abnahme und die Labordiagnostik ärztliche Aufgaben. Jetzt ist das alles verwässert. Das Monetäre herrscht über die Qualität.“ Der Verband vertritt rund 1200 Fachärzte für Laboratoriumsmedizin.
Prinzipiell muss man zunächst zwischen PCR-Tests und Antigen-basierten Schnelltests unterscheiden, betont Sandra Ciesek, die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Uniklinikum Frankfurt. „Dass PCR-Tests auch Wochen nach einer Infektion noch ein positives Ergebnis liefern können, ist bekannt und wird sehr häufig beobachtet.“
Das liege daran, dass die PCR „eine sehr sensitive Technik“ sei. „Es können also oft noch Rest-Mengen vom Erbgut des Virus nachgewiesen werden, auch wenn die Infektion eigentlich längst überstanden ist.“ Man müsse diese schwachen Ergebnisse dann interpretieren. Auch Antigentests seien inzwischen recht zuverlässig, sagt Ciesek, aber in einem engeren Zeitfenster: „In der Regel ist dieser Test nur in den ersten Tagen der Infektion positiv und wird dann negativ, auch wenn man noch einige Tage lang mit einer positiven PCR rechnen muss“, erklärt die Virologin. „Auch wird der Antigentest in der Regel erst circa 24 Stunden nach der PCR positiv.“
Die meisten Schnelltests seien „bei geringer Viruslast quasi untauglich“, findet hingegen Bobrowski. Zwar hätten die Behörden Standards definiert, aber erst vor kurzer Zeit mit den Kontrollen begonnen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte Ende vergangenen Jahres 122 Covid-19-Antigen-Schnelltests verglichen. Gemessen wurde die Sensitivität, also die Fähigkeit, Sars-CoV-2 nachzuweisen. Die meisten Tests stufte die Behörde als zuverlässig ein. Nur 26 boten nicht die geforderte Sensitivität von 75 Prozent. Der Großteil der Schnelltests schafft laut PEI auch den Omikron-Nachweis.
Die Zuverlässigkeit hängt laut Bobrowski aber nicht nur von der Qualität der Tests, sondern auch von der Qualität der Probenentnahme ab. Richtig und sicher sei der Abstrich erst, „wenn er im Hals den Würgereiz auslöst und es in der Nase echt unangenehm wird“, erklärt der Labormediziner. Weil die kommerziellen Testcenter aber wollten, dass die Kunden wiederkämen, gehe man das auch gern mal sanfter an.
SANDRA TRAUNER