DIRK WALTER
Das Zugunglück von Schäftlarn legt wie ein Brennglas die verwundbaren Stellen der Bahn in Bayern offen. Man mus aber kein Prophet sein, um vorherzusagen: Nach dem Schock wird sehr schnell die Routine folgen. Der sprichwörtliche Übergang zur Tagesordnung. Dass sich an den Mängeln der Bahn in Bayern kurzfristig etwas ändern wird, bleibt ein frommer Wunsch.
Es ist seit Langem bekannt, dass ein Drittel aller S-Bahn-Strecken eingleisig sind. Dies ist eines Ballungsraums wie München eigentlich unwürdig. Doch es fehlt an Handlungsdruck. Selbst an der technischen Ausstattung der eingleisigen Katastrophenstrecke von Bad Aibling hat sich sechs Jahre nach dem Unglück mit zwölf Toten nichts geändert. Warum auch? Man hatte den Schuldigen, einen Handy-daddelnden Fahrdienstleiter, ja gefunden und abgeurteilt. In Technik und Gleisbau zu investieren, ist teuer und langwierig, die Kette der Verantwortlichkeiten ist lang – juristisch greifbar ist für Versäumnisse niemand.
Was bleibt, ist die politische Verantwortung: Und da gibt es viele Beispiele, bei denen die Straße gegenüber der Bahn bevorzugt wurde. Nur ein Beispiel: Wie konnten es die CSU-Verkehrsminister zulassen, dass über eine Milliarde für den Bau eines Autotunnelsystems rund um Garmisch-Partenkirchen freigeschaufelt wurde – aber nichts für die Bahn (bei Garmisch eingleisig!) übrig blieb? So etwas darf sich nicht wiederholen. Dass die Ampel versprochen hat, künftig mehr in die Schiene als in die Straße zu investieren, ist richtig. Aber der Beweis steht noch aus, dass in einer Gesellschaft, der das Auto heilig ist, die Bahn nicht auf dem Abstellgleis landet.
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