Berlin – Es dürfte eine Genugtuung sein: 20 Jahre, nachdem Angela Merkel ihn vom Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag verdrängte, übernimmt Friedrich Merz das Amt erneut. Von Genugtuung sprach Merz nach seiner wahl am Dienstag zwar nicht, sagte aber, es sei ein spannendes und interessantes Gefühl, nach so langer Zeit „hier wieder zu stehen und den Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu übernehmen“.
Erstmals seit 2005 sind CDU-Vorsitz und Führung der Fraktion wieder in einer Hand. Die Wahl des 66-Jährigen war nicht überraschend. Der bisherige Fraktionschef Ralph Brinkhaus hatte angekündigt, nicht mehr anzutreten, auch um vor den drei anstehenden Landtagswahlen im Frühjahr keinen neuen Machtkampf zu provozieren.
Merz war mit Unterstützung aus München in die Abstimmung gegangen. CSU-Chef Markus Söder hatte sich zuvor für Merz ausgesprochen, Landesgruppenchef Alexander Dobrindt ihn offiziell vorgeschlagen. Laut Fraktionskreisen erhielt Merz 162 von 186 abgegebenen Stimmen. Die Fraktion zählt 197 Mitglieder. Dobrindt nannte das Ergebnis ein „starkes Signal für die Union zu einem gemeinsamen neuen Aufbruch“. Es werde ein neues Kapitel der Zusammenarbeit zwischen CDU und CSU aufgeschlagen. „Die Bundestagsfraktion ist das gemeinsame Kraftzentrum von CDU und CSU“, sagte Merz nach seiner Wahl. „Ich möchte sie so führen, dass wir die Chance haben, wieder auf der Regierungsbank zu sitzen.“
Vorgänger Brinkhaus hatte den Vorsitz seit 2018 inne. Er sagte am Dienstag vor der Fraktionssitzung, die Arbeit sei „herausfordernd“ gewesen, aber es sei auch eine gute Zeit gewesen. Er gehe nun ganz mit sich im Reinen. Welche Rolle Brinkhaus in Fraktion oder Partei künftig spielt, ist unklar. Merz hatte dazu Ende Januar erklärt, derzeit gebe es „keine Aufgaben zu verteilen“. Jüngst sagte er, Brinkhaus bleibe aktives und wichtiges Mitglied der Bundestagsfraktion.
Merz war im Jahr 2000 erstmals Fraktionsvorsitzender. Er wurde aber 2002 von der damaligen CDU-Chefin Angela Merkel verdrängt. Merz zog sich 2009 aus der Politik zurück, bis er 2018 mitteilte, er wolle sich um Merkels Nachfolge an der CDU-Spitze zu bewerben.
Doch die Mitglieder zogen ihm erst Annegret Kramp-Karrenbauer vor, dann Armin Laschet. Erst nach Laschets Scheitern als Kanzlerkandidat war der Weg an die Parteispitze frei. Nun hat Merz mit der Rolle des Oppositionsführers dazu noch einen der wenigen Posten, die jenseits der Regierung Aufmerksamkeit bescheren. sr/dpa