Auftakt der Sicherheitskonferenz

Mahnung aus Moskau

von Redaktion

MIKE SCHIER

Zu den Vorzügen der Sicherheitskonferenz gehört es, dass im Gedränge eines Münchner Luxushotels auch scharfe Rivalen und Gegner auf engstem Raum quasi ins Gespräch gezwungen werden. Verhandelt wird hinter verschlossenen Türen, manchmal sogar vor laufenden Kameras. Unvergessen, wie 2014 Vitali Klitschko auf der Bühne dem sichtlich verärgerten ukrainischen Außenminister Koschara Fotos von den Maidan-Auseinandersetzungen präsentierte. Kurz: Man diskutiert und streitet, teilweise auf unterschiedlicher Faktenbasis – aber immerhin: Man spricht miteinander. Die „Konferenz der Kriegstreiber“, wie sie die Demonstranten gern betiteln, war und ist eher ein Hochamt der Diplomatie.

Diesmal aber gibt es leider einen großen Haken: Die russische Seite bleibt dem Treffen demonstrativ fern, nicht einmal Stammgast Lawrow kommt. Damit fehlt der Hauptakteur. Mitten in der Krise wird nicht mit Moskau, sondern nur über Moskau geredet. Das ist eher kontraproduktiv, denn wenn am Wochenende nur der ukrainische Präsident Selenskyj mit den Nato-Staaten posiert, drohen sich die Fronten sogar weiter zu verhärten.

Für die Konferenz ist der russische Boykott eine Mahnung. Angesichts der Spannungen während der Trump-Jahre diente München zuletzt primär als Reparaturstätte für das transatlantische Bündnis. Das war wichtig. Doch wer China oder den Iran auch künftig als Gast haben will, darf diesen Akzent nicht überbetonen. Sonst drohen die wichtigen Gespräche jenseits der Nato verloren zu gehen.

Mike.Schier@ovb.net

Artikel 4 von 11