Kanzler eiert bei Swift-Aus für Russland

Berlins nächste krumme Nummer

von Redaktion

GEORG ANASTASIADIS

Nach außen hin hat die Nato ihre Reihen geschlossen. Doch nach der Brüsseler Sanktions-Verhandlungsnacht konnte sich Kriegsherr Putin mal wieder selbst gratulieren: Wie von ihm erwartet hat Kanzler Scholz zunächst verhindert, dass die Sanktions-Keule Swift auf den Kreml niedersaust. Sie würde Russland vom Zahlungsverkehr abschneiden und wäre die schärfste Waffe in der Hand des Westens. Wie schon bei der Pipeline-Debatte hat sich gezeigt, dass Deutschland das schwächste Glied in der Nato- Verteidigungskette ist. Groß ist die (leider berechtigte) Berliner Angst, dass ein Swift-Rauswurf Russlands die Gaslieferungen gefährden könnten, an denen das Atomausstiegsland Deutschland hängt wie der Junkie an der Nadel.

Für Putin hieße das, dass die Gas-Rubel weiter rollen, mit denen er seine Kriege finanziert. Die albernsten Debatten hat unser Land geführt, etwa über die Notwendigkeit von Extra-Klohäuseln für das dritte Geschlecht, und niemand auf der ganzen Welt gendert so schön wie wir – aber wie man sich vor Erpressung durch einen Diktator schützt, dafür hat sich in Merkel-Deutschland niemand interessiert, am wenigsten die in den Pipelinebau vernarrte Kanzlerin.

Wer solche Verbündete hat, braucht keine Feinde mehr. Man kann den armen Menschen in der Ukraine die Verbitterung nachfühlen. Vom Kanzler bekamen sie gestern zu hören, dass man die Swift-Drohung aufbewahren müsse „für eine Situation, wo das notwendig ist, noch andere Dinge zu tun“. Das ist für die unter russischem Dauerbombardement stehenden Ukrainer sicher ungemein beruhigend. Kaum vorstellbar, dass Berlin mit dieser krummen Nummer durchkommt. Bundesfinanzminister Lindner deutete gestern Abend ein Nachgeben Berlins an. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie am Freitag die Drähte glühten zwischen den Nato-Hauptstädten.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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