Vielleicht ist es ja die größte Strafe für Kardinal Rainer Maria Woelki, dass er am Aschermittwoch anno 2022 zunächst zurückkehren musste nach Köln. 92 Prozent der Gläubigen (!) im Erzbistum wollten, dass er zurücktritt. In seinem gestrigen Brief erklärte er, dass er genau das dem Papst angeboten habe. Und nun liegt es wieder bei Franziskus. Zuerst aber muss Woelki zurück nach Köln. Er zeigt sich demütig, berichtet von einem Sozialdienst, den er absolviert habe während seiner Auszeit, und bittet um eine zweite Chance.
So, wie mit dem gestrigen Aschermittwoch in der Karnevalshochburg Kölle alles vorbei ist, so dürfte sich auch Woelkis Zeit am Rhein dem Ende zuneigen. In den fünf Monaten der Absenz des Kardinals hat Weihbischof Rolf Steinhäuser ihn vertreten. In seiner Bilanz muss der Weihbischof bekennen, dass die Probleme nicht gelöst, die Gräben noch tiefer geworden sind. Dabei hatte Steinhäuser für seine offene Art, seinen Einsatz und sein Bemühen um Transparenz viel Lob und Anerkennung erfahren. Doch genau hier ist der Punkt: Steinhäuser hat gezeigt, wie man die Menschen erreicht, wie man den Missbrauchsopfern mit Mitgefühl begegnet, wie man heute Seelsorger ist. Das alles wird mit Rainer Maria Woelki so nicht gehen – auch wenn er sich noch so bemühen sollte. Der Kirche im Erzbistum Köln ist zu wünschen, dass der Papst anders entscheidet als im Fall des Münchner Kardinals Reinhard Marx, dessen Rücktrittsgesuch er abgelehnt hatte. Kardinal Woelkis Zeit am Rhein könnte ablaufen.
Claudia.Moellers@ovb.net