Die Armee der Freiwilligen

von Redaktion

Weltweit wollen Menschen dem Hilfsappell der Ukraine folgen – nicht allen geht es um den Frieden

München – Alles folgt einem Plan, sogar der Weg in den Krieg. Was die Ukraine betrifft, sind die Vorgaben präzise. Ein Offizieller hat sie für das US-Portal „Military Times“ umrissen, in einem Telefonat, das immer wieder von Luftangriffen unterbrochen wurde. Der Leitfaden umfasst sechs Punkte, von der Bewerbung über das Vorstellungsgespräch in der jeweiligen Botschaft bis hin zur persönlichen Kampfausstattung. Es sei zwar nicht verpflichtend, sagte der Ukrainer, „aber ein ausländischer Kämpfer in einer Uniform seines Landes würde sich gut machen“.

Es sind nicht nur Flüchtende, die in diesen Kriegstagen zu den ukrainischen Grenzen strömen. Auch in der Gegenrichtung hat eine Bewegung eingesetzt. Am Sonntag rief Präsident Wolodymyr Selens-kyj Freiwillige in aller Welt auf, sich den ukrainischen Truppen anzuschließen und in die „Internationale Legion zur Verteidigung des ukrainischen Territoriums“ einzutreten. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.

Der Appell – und die Bilder von der russischen Invasion – trafen offenbar einen Nerv. Zu hunderten sollen freiwillige Kämpfer sich beworben oder bereits auf den Weg gemacht haben. Ehemalige Berufssoldaten und Reservisten sind ebenso dabei wie Menschen mit sehr begrenzter Kampferfahrung. Die Zeitung „Mainichi Shimbun“ berichtete, dass sich im eigentlich pazifistischen Japan 70 Männer an die ukrainische Botschaft gewandt hätten. Darunter seien 50 ehemalige Mitglieder der japanischen Selbstverteidigungskräfte, die noch nie in Kampfhandlungen verwickelt waren. Auch in den baltischen Staaten und Georgien soll es dutzende von Interessenten geben.

Selbst Idealisten ohne jede militärische Expertise fühlen sich angesprochen. Im kanadischen Fernsehen war neulich ein junger Norweger zu sehen, der Waffen bisher nur zur Jagd im Wald benutzt hat. Nun will er in den Krieg ziehen. Seine Eltern, sagt er, hielten ihn für verrückt.

Australische Behörden warnen ihre Bürger dann auch ausdrücklich davor, ohne entsprechende Kampfausbildung in die Ukraine zu reisen und womöglich als „Kanonenfutter für die Russen“ zu enden. Andere Staaten reagierten aufgeschlossener auf Kiews Appell. Die britische Außenministerin Liz Truss sagte, angesprochen auf die Internationale Legion: „Das unterstütze ich.“ Auch die Niederlande und Dänemark haben keine Einwände. In Deutschland, berichtet das Magazin „Business Insider“, sollen hunderte Bundeswehr-Reservisten zum Einsatz bereit sein.

Nicht jeder allerdings, der sich ins Kriegsgebiet aufmacht, will dort auch wirklich für den Frieden kämpfen. Medien berichten von Aktivisten der rechtsextremen Kleinpartei III. Weg, die die Ukraine zum Ziel hätten. Um Hilfe für ein Land, das um seine Existenz bangt, geht es ihnen nicht. Ihre Unterstützung gilt dem Asow-Regiment, einem nationalistischen Freiwilligen-Bataillon, das im Osten des Landes gegen prorussische Separatisten kämpft. Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, Ausreisen von Rechtsextremisten ins Kriegsgebiet zu unterbinden. Sofern sie sie denn erwischt. MARC BEYER

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