Harte Kämpfe um die Großstädte

von Redaktion

VON MARTIN ROMANCZYK UND WOLFGANG HAUSKRECHT

Moskau/Kiew – Russland hat seine Offensive vor allem auf die Großstädte der Ukraine ausgeweitet. Von schweren Kämpfen wird berichtet, wer wo noch die Kontrolle hat, ist aber schwer zu sagen. Gestern Abend gab es unter anderem weitere Luftangriffe auf Kiew.

Sowohl die Ukraine als auch Russland vermeldeten militärische Erfolge. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, gegen Geheimdienst-Einrichtungen in Kiew seien „hochpräzise Waffen“ eingesetzt worden. Der Fernsehturm sei deaktiviert. Seit Beginn des Krieges seien mehr als 1500 ukrainische Militärobjekte zerstört worden. Zudem nannte Russland gestern erstmals Zahlen zu eigenen Verlusten. Demnach seien bisher 498 russische Soldaten getötet und 1597 verletzt worden. Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte hingegen mit, mehr als 5840 russische Soldaten seien getötet worden, mehr als 200 Panzer, 860 weitere militärische Fahrzeuge, 30 Flugzeuge und 31 Hubschrauber zerstört.

Nach Angaben der USA haben russische Truppen bisher mehr als 450 Raketen abgefeuert. Der Beamte betonte erneut: „Die Russen machen nicht die Fortschritte, von denen wir glauben, dass sie sie erwartet hatten. Sie liegen hinter ihrem Zeitplan zurück.“ Und mit jedem Tag, an dem ihre Offensive stocke, fielen sie weiter zurück. Er mahnte jedoch, Russland verfüge über große militärische Ressourcen. Nach US-Einschätzung sind rund 82 Prozent der Truppen, die Russland zuvor an der Grenze zusammengezogen hatte, inzwischen in der Ukraine.

Das russische Militär gab an, Kontrolle über die seit Tagen umkämpfte südukrainische Großstadt Cherson zu haben. Die ukrainische Seite wies dies zurück und erklärte, die Kämpfe dauerten an. Auch die ostukrainische Millionenstadt Charkiw erlebte schwere Angriffe. Mindestens 21 Menschen starben, 112 wurden nach Angaben der Gebietsverwaltung verletzt. Am Abend forderte die Ukraine Russland zu einer Feuerpause in den Regionen Charkiw und Sumy auf, um Zivilisten in Sicherheit bringen zu können. Insgesamt ist von bisher rund 2000 getöteten ukrainischen Zivilisten die Rede.

Unterdessen gibt es weiter diplomatische Bemühungen. Russland sei bereit, die Verhandlungen mit der Ukraine am Donnerstag fortzusetzen, hieß es. Die Hoffnungen auf einen Durchbruch sind allerdings nicht groß, da Putin nicht von seinen Forderungen abweicht und die Ukraine diese als unannehmbar ablehnt. Kreml-Sprecher Peskow unterstrich: Die Regierung in Kiew müsse die „Volksrepubliken“ Luhansk und Donezk sowie Russlands Souveränität über die Schwarzmeer-Halbinsel Krim anerkennen. Zudem forderte er eine „Demilitarisierung“ der Ukraine.

Präsident Selenskyj verurteilte den russischen Angriff auf den Fernsehturm in Kiew nahe der Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar. Am Dienstag waren zwei Raketen in unmittelbarer Nähe eingeschlagen. Es gab mehrere Tote. Im September 1941 hatten deutsche Truppen nach dem Einmarsch in Kiew in Babyn Jar mehr als 33 000 Juden erschossen. Selenskyj hat jüdische Wurzeln.

Die USA werden – wie die EU und Kanada – ihren Luftraum für russische Flugzeuge sperren. Die EU setzte ihre Sanktionen zum Ausschluss sieben russischer Finanzinstitute aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift in Kraft. Es gilt eine Übergangsfrist von zehn Tagen. Die größte russische Bank Sberbank sowie die Gazprombank sind vorerst nicht betroffen. Die Ukraine forderte, alle russischen Banken auszuschließen.

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