CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
Geschichte ist im Nahblick manchmal kurios. Ausgerechnet unter einer Verteidigungsministerin vom linken Flügel der SPD, die sich dafür rühmt, keine Dienstgrade zu lernen, wird die Bundeswehr aus dem Ausrüstungsdebakel befreit. 100 Milliarden Euro sollen aus der Reste-, Rost- und Rumpel-Truppe eine bündnisfähige Armee machen, die halbwegs und mit EU-Partnern zur Landesverteidigung befähigt wird. Und ausgerechnet Kanzler Olaf Scholz, der noch als Finanzminister angemessene Wehretats blockierte, leitet nun wuchtig diese Wende ein. Traurig, dass es dafür erst einen Krieg in Europa brauchte.
Die Bundeswehr wird, wenn dieses Geld clever investiert wird, in drei, vier Jahren eine andere Armee sein. Dafür braucht Deutschland jetzt einen klugen Plan. Da steht es den Unionsparteien nicht gut zu Gesicht, beleidigt vor sich hin mümmelnd vom Seitenrand zu maulen, wo die genaueren Vorschläge vom Kanzler bleiben. Gerade aus dem Rüstungs-, Luftfahrt- und Technologiestandort Bayern sollten detailgenaue Konzepte kommen, die Nutzen und Wertschöpfung einkalkulieren. Die Bundeswehr braucht bewaffnete Drohnen, eine Tornado-Nachfolge, Transporthubschrauber, ein modernes Flugabwehrraketensystem und Cyberkampf-Technologie. Die Armee muss eine neue Standort- und Personalplanung bekommen und ein komplett neues Beschaffungswesen (was man längst hätte anpacken müssen). Die Union, deren Verteidigungsminister durch Handeln (Guttenberg) oder Nichthandeln (Leyen) der Bundeswehr erheblich geschadet haben, sollte zügig mit ihren besten Köpfen an Deutschlands neuer Sicherheitsarchitektur mitarbeiten. Dieses Thema ist zu groß für Klein-Klein.
Christian.Deutschlaender@ovb.net