Die Pandemie hat schon so manche Gesetzmäßigkeit ins Wanken gebracht, auch das scheinbar unbegrenzte Wachstum in der Region. Erstmals seit Jahren sind 2020 aus dem Großraum München mehr Menschen weggezogen, als neue Bewohner hinzukamen. Doch für die Politik kann das kein Grund zum Zurücklehnen sein.
Der durch Corona gebremste Zuzug dürfte nicht viel mehr als eine kleine Delle in der Entwicklung Münchens und seines Speckgürtels bleiben. Die Metropolregion wird auch in Zukunft wachsen. Das hat Folgen: Ein Landkreis, in dem nur noch gut bezahlte Angestellte aus der Industrie eine Heimat finden, bekommt Probleme. Wenn der Pfleger, die Krankenschwester oder der Handwerkernachwuchs keine bezahlbare Bleibe mehr findet, schwindet die nötige Infrastruktur. Bei einer alternden Gesellschaft, die immer mehr auf kurze Einkaufswege und ortsnahe Pflege angewiesen ist, wiegt das doppelt schwer.
Für die Politik heißt das: Sie muss kreative Lösungen finden, um beim sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau schneller voranzukommen – ohne dabei den Flächenverbrauch aus den Augen zu verlieren. Und vielleicht lässt sich ja der vom Virus erzwungene Trend zum Homeoffice nutzen, um die Ballungsräume etwas zu entzerren. Die Pandemie mag hier eine kleine Atempause verschafft haben. Aber mehr auch nicht.
Dominik.Goettler@ovb.net