Die Ankündigung Präsident Emmanuel Macrons, im April bei den Präsidentschaftswahlen für eine zweite Amtszeit zu kandidieren, ist alles andere als eine Überraschung. Und wenn die Umfragen nicht völlig falsch liegen, wird der nicht mehr ganz so jugendlich wirkende 44-Jährige wohl weitere fünf Jahre im Élysée-Palast regieren. Allerdings wirft Putins Krieg gegen die Ukraine ein grelles Schlaglicht auf den französischen Wahlkampf. Er legt gnadenlos Stärken und Schwächen der Wettbewerber in unserem Nachbarland offen.
Macrons Bilanz fällt gemischt aus: Er hat innenpolitisch viele Reformen angepackt. Etwa auf dem Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft. Andere, wie die Rentenreform, jedoch gegen Widerstand nicht durchsetzen können. Noch ambivalenter seine Außenpolitik. Macrons Credo von Anfang an: Europa soll selbstständiger werden und mehr in Verteidigung und Sicherheit investieren. Damit lag er richtig. Fatal nur, dass er mit seiner Analyse, die Nato sei „hirntot“, historisch falsch lag. Jetzt sieht jeder: Einzig und allein die Nato sichert Europas Freiheit gegen Putins Machtansprüche. Es mag Macrons Ego schmeicheln, dass er als einer der wenigen Europäer noch einen direkten Gesprächsdraht zum Kreml-Herrscher hat – Einfluss auf Putins Handeln hat er nicht.
Noch schlimmer trifft Russlands Krieg die Extremen in Frankreich. Deren langjährige Anbiederung an den Kreml-Herrn kommt sie jetzt teuer zu stehen. Sie können ihre Wahlflyer mit Putins Fotos gar nicht so schnell einstampfen, wie Putins Bomben auf die Ukraine fallen.
Alexander.Weber@ovb.net