WIE ICH ES SEHE

Der Krieg ist ein gewalttätiger Lehrer

von Redaktion

Der Krieg sei der Vater aller Dinge, meinte schon vor 2500 Jahren der Philosoph Heraklit. Aber Thukydides, der erste wahre Geschichtsschreiber in der abendländischen Geschichte, brachte das auf den Punkt: Der Krieg ist ein gewalttätiger Lehrer. Und genau das ist es, was die Welt heute erlebt, in diesem durch Russland vom Zaun gebrochenen Krieg in der Ukraine.

Der Angreifer hat lernen müssen, dass seine schlimme Rechnung zunächst nicht ganz aufgeht. Den erhofften Blitzkrieg hat es nicht gegeben. Seine Panzerarmee blieb liegen, ihre Verluste sind viel höher als erwartet. Der Widerstand der tapferen Ukrainer ist unvorstellbar groß. Wie im Mittelalter wird nun die Taktik des Aushungerns belagerter Städte eingesetzt. In Syrien hatte das am Ende den gewünschten schrecklichen Erfolg gebracht.

Ebenso hat Putin den Zusammenhalt des Westens unterschätzt. Vor allem von Deutschlands neuer Regierung ist die Reaktion klarer als erwartet. Wurden doch über Jahrzehnte viele Politiker und Wirtschaftsführer hierzulande entweder gekauft oder geschickt auf den Leim gelockt, wie die ewige Kanzlerin Merkel. Schon die erste Gasleitung durch die Ostsee hatte vor allem den Zweck, mit Deutschlands Hilfe, Druck auf die Ukraine und andere auszuüben. Die große Nord-Stream-2-Leitung wurde von der Kanzlerin und zunächst auch vom neuen Bundeskanzler Scholz als ein „rein wirtschaftliches Projekt“ verharmlost. Die Politik sollte das nichts angehen und hatte nicht Russland immer schon alle Lieferverträge genauestens eingehalten? Ohne Bedenken ließ man auch den größten deutschen Gasspeicher und die Endverbraucher-Belieferung durch Wingas an die Russen gehen.

Nun dämmert uns Umweltträumern, dass die stecken gebliebene Umstellung auf Wind und Sonne ohne Kohle und Kernkraft vor allem ein Glücksfall für Russland ist. So füttern wir einfach den Drachen weiter mit Milliarden aus der Energierechnung.

Immerhin hat bei uns ein Umdenkungsprozess in den Köpfen mancher Politiker begonnen, die lange Jahre mit Blindheit geschlagen waren. Gerne würde man nun die Energieabhängigkeit von Russland vermindern, dafür sogar wieder mehr Kohle als Energie einsetzen, und in Worten, denen aber keine Taten folgen, wieder zur Kernkraft zurückkehren.

Mit dem Befehl zur Invasion in die Ukraine wollte Wladimir Putin Ruhm und Größe des Russischen Reiches wiederherstellen. Geworden ist daraus eine noch größere Unterdrückung jeder kritischen Äußerung im Inneren mit tausenden von Verhaftungen. Westliche Digitalfirmen sollten, wo es geht, in Russland bleiben, um nicht die Hoheit über den Informationsfluss ausschließlich der Regierung zu überlassen. Mit noch weniger persönlicher Freiheit und den Sanktionen des Westens wird der wirtschaftliche Niedergang Russlands ungeheuer sein. Der Verkauf von Gas, Öl und Kohle allein kann die Wirtschaft nicht tragen. Begabte russische Bürger versuchen schon jetzt, wo es geht, das Land zu verlassen, in dem sie keine Hoffnung mehr haben. Der Westen sollte sie aufnehmen, ebenso wie die ukrainischen Flüchtlinge bei uns willkommen sind.

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VON DIRK IPPEN

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